Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78 I- Dreissigjähriger Krieg.

Rheinufer über, das von spanischen Truppen besetzt war. schlug eineBrlicke, führte über dieselbe (7. und 8. December) alle seine Truppen,nahm Oppenheim ein, rückte nach Mainz vor und blokirte dasselbe vomlinken Rheinufer aus. Den 13. December übergab Silva Mainz auf Ca-pitulation: die spanischen Truppen erhielten freien Abzug, traten abergrösstentheils in schwedische Dienste. Gustav Adolph befahl Mainz instarken Vertheidigungszustand zu setzen, stellte die Brücke über denKhein wieder her, legte eine Befestigung bei der Mündung des Mains inden Rhein an, und ging, nachdem er auf der linken Seite des Rheins denHerzog Bernhard von Sachsen-Weimar gelassen, nach Frankfurt. Balddarauf sagte sich, auf Frankreichs Vermittlung, der Kurfürst von Mainzvon dem Bündnisse mit dem Kaiser los. Der Herzog von Lothringentrennte sich von Tilly mit seinen durch Krankheiten, Desertionen unddurch Verluste vor dem Feind bedeutend geschwächten Truppen undeilte in seine Besitzungen, die einerseits von der französischen Armee,anderseits aber von den Schweden bedroht waren. Aber bald waren alleTruppen des Herzogs von Lothringen aufgerieben oder zerstreut, und ersagte sich vom Bündnisse mit dem Kaiser los, während die FranzosenTrier, Koblenz und Hermannstein (jetzt Ehrenbreitstein) einnahmen. ImLaufe des Januars und Februars 1632 verpflichteten sich alle übrigenkatholischen Fürsten des Rheinlandes bis zu den Grenzen der spanischenNiederlande, Neutralität zu halten; die spanischen Truppen waren ge-zwungen , sich in die Niederlande zurückzuziehen, die schwedischenund hessen-kassel'schen Truppen aber setzten sich zu beiden Seitendes Mittelrheins, im Elsass, in der untern Pfalz, im KurfürstenthumKöln etc. fest.

§.37.Operationen Horn's und Tilly's in Franken.

Als Gustav Adolph den Main abwärts marschirte. unternahm Tilly,der durch die Befehle des Kurfürsten von Baiern gebunden war, nichtsEntscheidendes gegen Hörn, obgleich er ihm bedeutend an Kräften über-legen war. Er beschränkte sich nur auf die Verwüstung des Landeszwischen Windsheim und Anspach, wandte sich später nach Nürnberg undbelagerte dasselbe. Aber Mangel an Proviant, die Befürchtungen des Kur-fürsten von Baiern, dass Tilly von Baiern abgeschnitten werden könne,der von Neuem ihm gegebene Befehl, sich den Grenzen Baierns zu nähernund dieselben zu decken, die Schwächung Tilly's, besonders seit derDe-tachirung eines Heerestheiles nach Böhmen gegen die Sachsen, endliehdie durch einen in kaiserlichen Diensten stehenden protestantischen Offi-cier bewirkte Explosion des Tilly'schen Belagerungsparkes, alles diesnöthigte Tilly, bald die Belagerung Nürnbergs aufzuheben und sich nach