4. Zweite Periode des dreissigj ährigen Krieges (1630—1634). 77
setzen konnten; die Städte aber am Main, deren wichtigste Mainz war,hatten schwache Besatzungen.
Noch bevor Gustav Adolph seinen Marsch den Main abwärts antrat,hatte der schwedische Oberst Hubald mit 2200, Mann Dragonern undKürassieren die Stadt Hanau (1. Nov.) mittelst Sturmleiter erobert. Den9. November trat Gustav Adolph seinen Marsch den Main abwärts an:von seinen 18,000 Mann Truppen marschirte eine kleine Abtheilung dasrechte Ufer, die Hauptmacht aber das linke Ufer des Flusses entlang;eine Flottille aus mit Artillerie, Gepäck und Vorräthen beladenen Fahr-zeugen segelte zwischen den Truppen den Main hinunter. Ein grosserTheil der Städte am Main, darunter auch Frankfurt, liess die Schwedenein, und ihre Besatzungen traten in schwedische Dienste. Den 18. No-vember vereinigte sich Gustav Adolph in Höchst mit den aus Hessen-Kassel angekommenen 14,000 Mann Truppen des Landgrafen von Hessen-Kassel und stellte sich mit einer Heeresmacht von 32,000 Mann Truppenauf dem rechten Bheinufer zu beiden Seiten des Mains, die Hauptmachtgegen Mainz gerichtet, auf. Diese Stadt war in starkem Vertheidigungs-zustande und vom rechten Ufer durch die befestigte Stadt Kastei gedeckt,deren Verbindung durch eine Brücke über den Rhein gesichert war.2000 oder 2500 Mann spanischer Truppen unter dem Commando desMarquis Silva bildeten die Besatzung von Mainz.
§.36.Der TJebergang Gustav Adolph's über den Rhein und seine Festsetzung
an diesem Flusse.Gustav Adolph erachtete es für unmöglich, Mainz von der rechtenSeite des Rheins zu nehmen, und für beschwerlich, den Rhein unterhalbMainz behufs Eroberung der Stadt von der linken Seite des Flusses zuüberschreiten, und traf schon Anstalten zum Uebergange über denRhein oberhalb Mainz, als er die Nachricht erhielt, dass Tilly Nürn-berg belagert habe. Ohne Verzug eilte Gustav Adolph dieser mit denSchweden verbündeten und für letztere sehr wichtigen Stadt zu Hülfe.Als er aber in Frankfurt erfuhr, dass Tilly die Belagerung aufgehobenund sich zur Donau zurückgezogen (s. Seite 78), kehrte er zum Rheinzurück. Nachdem er die hessischen Truppen zur Blokirung von Mainzvom rechten Ufer des Rheins aus und zur Unterwerfung des Landes aufder rechten Seite dieses Flusses oberhalb und unterhalb des Mains zurück-gelassen, ging er auf die linke Seite des Mains über (1. December) undmachte zuerst eine Scheinbewegung in der Richtung nach Darmstadt undHeidelberg hin, wandte sich dann plötzlich und schnell nach Oppenheim,setzte in der Nacht vom 6. auf den 7. December heimlich auf Böten mit300 Mann Truppen bei Gernsheim oberhalb Oppenheim auf das linke