76 I; Ureissigjiihriger Krieg.
aber gelang es in Miltenberg sieb mit Tilly zu vereinigen, dessen Streit-kräfte dadurch auf 37—38,000 Mann anwuchsen. Tilly hatte jetzt diefeste Absiebt, mit Gustav Adolph einen entscheidenden Kampf aufzu-nehmen, und wandte sich daher nach Bischofsheim an der Tauber. DerKurfürst von Baiern aber, der für seine Besitzungen fürchtete, befahl ihmeinem Kampfe auszuweichen und sich nur auf die Deckung Baierns zubeschränken. Zu diesem Zwecke zog er gegen 12,000 Mann Truppenim Lager bei Donauwörth zusammen und warb Truppen in Baiern. Er-bittert durch den Befehl des Kurfürsten von Baiern, wollte Tilly dasCommando über die Truppen niederlegen und nur auf inständigste Bittenseiner nächsten Umgebung und des Kurfürsten selbst entschloss er sichdas Commando beizubehalten. Er entsandte einen Theil der Truppenzum plötzlichen Ueberfall und zur Besitzergreifung von Wertheim. DieseUnternehmung war aber ganz erfolglos; denn Gustav Adolph legte einenHinterhalt, und Tilly's Truppentheil wurde geschlagen. Gleich daraufmachte Gustav Adolph seinerseits einen plötzlichen Ueberfall auf vierkaiserliche Regimenter in der Nähe von Creglingen, schlug und zerstreutedieselben. Nachdem darauf Tilly 14,000 Mann Truppen, die aus demElsass, der untern Pfalz und Würtemberg angekommen waren, seinemHeere einverleibt hatte, nahm er Rothenburg, Windsheim und Ochsenfurtein und stellte sich bei Windsheim auf. Gustav Adolph aber, durchKrankheit inWürzburg zurückgehalten, schloss mit dem Landgrafen vonHessen-Darmstadt einen Vertrag, nach welchem der letztere den Schwedeneinige seiner Festungen abtrat, selbst aber neutral blieb.
Auf diese Weise hatte die Kleinmüthigkeit des Kurfürsten von BaiernTilly verhindert, von seiner Uebermacht an Streitkräften über GustavAdolph Gebrauch zu machen, dem letzteren hingegen Gelegenheit ge-geben, sich am Main festzusetzen.
§.35.
Marsch Gustav Adolph's den Main hinunter nach dem Ehein.
Nachdem Gustav Adolph sich in Thüringen und Franken festgesetztund in letzterem als Besatzung und Sicherung der Verbindungen derschwedischen Armee Hörn mit 16,000 Mann Truppen zurückgelassen hatte,marschirte er selbst im November mit 18,000 Mann den Main hinunterdem Rhein zu, um sich an diesen beiden Flüssen festzusetzen und sichseitens der rheinischen katholischen Fürsten, der spanischen Truppen undbesonders Frankreichs zu sichern und die reichen Mittel des gesegnetenRheinlandes früher auszunutzen, ehe er sich nach Süddeutschland gegenBaiern und Oesterreich wandte. Für Gustav Adolph war es nicht schwer,sich am Rhein festzusetzen, weil die rheinischen katholischen Fürsten,ihrer Schwäche wegen, ihm keinen bedeutenden Widerstand entgegen-