4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 75
rückte Baner mit dem grössten Tlieile der schwedischen und den vomHerzog Wilhelm von Sachsen-Weimar angeworbenen Truppen über Thü-ringen und Franken zur Vereinigung mit Gustav Adolph vor.
§.34.Hauptoperationen im südwestlichen Deutschland. BewegungenGustav Adolph's und Tilly's nach dem Main hin.Schon am 17. September marschirte Gustav Adolph mit der schwe-dischen Armee aus Halle nach Thüringen. Nachdem er durch ListErfurt genommen, befahl er die Stadt stark zu befestigen, Hess dortden Prinzen Wilhelm von Sachsen - Weimar, um Truppen zu werben,setzte sejnen Marsch über Gotha, Arnstadt, Ilmenau und Schleusingennach Schweinfurt fort und wurde überall als Befreier begrüsst. Am 4.October stand die schwedische Armee vor Würzburg; die Stadt capitulirteden Tag darauf, aber das Schloss hielt sich hartnäckig und wurde erstden 8. October mit Sturm genommen. Die Eroberung von Würzburgwar deshalb von Wichtigkeit, weil durch dieselbe dem mächtigsten derkatholischen Fürsten des Bheinlandes, dem Bischof von Wtirzburg, einharter Schlag beigebracht wurde, sowie auch dadurch, dass die Schwe-den in Wtirzburg-grosse Vorräthe an Lebensmitteln, Geldsummen undreiche Schätze erbeuteten. Hier wurde zwischen Gustav Adolph undden Ständen des fränkischen Kreises ein Bündniss geschlossen: Erstererversprach 'seinen Schutz und Letztere versprachen treue Bundesgenossenund ihm in Allem behülflich zu sein. In Franken wurde ohne Verzugzur Werbung von Truppen geschritten. Der Anschluss des reichen, mit.jeglichen Mitteln gesegneten und noch wenig vom Kriege heimgesuchtenFrankenlandes war für die Schweden von grösster Wichtigkeit. Unter-dessen bemühte sich Tilly, der bei Alfeld an der Weser stand, durchalle möglichen Mittel Gustav Adolph zur Weser hinzuziehen. Nachdem ereinen Theil seiner Truppen bei Alfeld zurückgelassen, machte er zuerstMiene, als ob er die Weser überschreiten wolle, wandte sich aber dannnach Hessen-Kassel, vereinigte sich in Fritzlar mit Fugger und Altringer,und da er sah, dass Gustav Adolph fortfuhr nach dem Main hin zu mar-schiren, wandte er sich über Fulda und Aschaffenburg auch dorthin mitseinem Heere, das wieder aus ca. 18,000 Mann Fussvolk und 8000 MannReiterei, im Ganzen aus ca. 26,000 Mann Truppen bestand. Er beab-sichtigte sich mit den 13,000 Mann Truppen des Herzogs von Lothringenzu vereinigen, der mit dem Kaiser ein Bündniss geschlossen, noch EndeSeptember in Worms den Rhein überschritten hatte und nach Aschaffen-burg marschirte. Seine Avantgarde (4000 Mann) wurde noch vor Tilly'sAnkunft von den Schweden plötzlich angegriffen und zwischen Mergent-heim und Bischofsheim geschlagen. Dem Herzoge von Lothringen selbst