4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 73
Operationen der Hauptmacht von der Flanke vor ihm zu sichern. Ausser-dem würden die Operationen gegen Tilly mit der Hauptmacht, indemsie den Krieg in die Länder der .Protestanten Westdeutschlands ver-legten, denselben von Süddeutschland und den kaiserlichen Erblandenentfernt haben. Gustav Adolph erachtete es für vortheilhafter und denUmständen mehr entsprechend, zu gleicher Zeit gegen die Erblande desKaisers, gegen Tilly und im südwestlichen Deutschland zu operiren.Mit der Hauptmacht der schwedischen Armee beschloss er aus Sachsenüber Thüringen und Franken nach Schwaben zu marschiren, den Auf-stand und die Bewaffnung der Protestanten Sudwestdeutschlands zufördern, aus ihren Kräften und Mitteln für sich Nutzen zu ziehen, Tillyund die rheinischen katholischen Fürsten von Baiern und dem Kaiserzu trennen, oder besser gesagt, das südliche Deutschland vom westlichenabzuschneiden und, nachdem er sich auf dem ganzen Striche Deutsch-lands zwischen der Ostsee, der unteren Oder und dem Oberrhein wieauch dem Mittelrhein festgesetzt, gegen Baiern und Oesterreich vonWesten her vorzurücken. Unterdessen musste der Kurfürst von Sachsenmit sächsischen und theilweise schwedischen und anderen protestanti-schen Truppen den Krieg nach Schlesien, Böhmen und Mähren verlegen,indem er auf solche Weise den linken Flügel der schwedischen Armeesicherte; der Landgraf von Hessen-Kassel aber mit seinem, durch schwe-dische und andere protestantische Truppen verstärkten Heere sollte Tillybeobachten und, indem er ihn hinderte, sich zu verstärken und in West-deutschland sich festzusetzen, den rechten Flügel und die Verbindungender schwedischen Armee vor ihm sichern. So war der auf richtige gründ-liche und scharfsichtige Erwägungen aller zeitgemässen politischen undmilitärischen Umstände begründete Operationsplan Gustav Adolph's. Die-ser ausgezeichnet combinirte Plan wurde auch ebenso geschickt ausgeführt,wenigstens in Allem, was die Operationen Gustav Adolph's selbst betraf.
§.32.Operationen in Schlesien und Böhmen.10,000 Mann kaiserlicher Truppen unter dem Befehl Von Tiefenbachund Götz drangen (im October) aus Schlesien in die untere und obereLausitz und in Brandenburg ein, verwüsteten das Land und entsandtenDetachements bis Dresden und Berlin. Bald aber gingen sie nach Schle-sien und Böhmen zurück und zwar auf Befehl des Kaisers, der durch mildeMassregeln und Unterhandlungen statt der bisherigen strengen und ent-schiedenen den Kurfürsten von Sachsen auf seine Seite herüberziehenwollte. Gleich nach ihnen marschirten von Torgau und Frankfurt nachBöhmen und Schlesien : der sächsische Feldmarschall Arnheim mit dersächsischen Armee, Bauer mit einem Corps schwedischer und Hamilton