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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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72 I. Drei8Sigj ährig er Krieg.

Kaisers waren moralisch erschüttert, und die aufgemunterten ProtestantenNord- und Westdeutschlands erhohen sich offen in überlegener Kraftgegen den Kaiser und schlössen sich Gustav Adolph an. So ging imLaufe von 14 Monaten das politische, militärische und moralische Ueber-gewicht entschieden auf die Seite Gustav Adolph's und der Protestantenüber. Aber das grosse Werk der Befreiung der letztern und Deutsch-lands war noch nicht vollbracht: es war noch nöthig. dasselbe mit eben-solcher Vorsicht und Kunst, wie es von Gustav Adolph begonnen, weiterfortzuführen und zu beendigen.

Die wichtige Frage, von welcher der Erfolg des Krieges und dasSchicksal der Protestanten und ganz Deutschlands abhing, bestand darin,wohin und wie die weiteren Operationen und die HauptanstrengungenGustav Adolph's und der Protestanten zu richten und auszuführen seien.Nach Westdeutschland gegen die geschlagene Armee Tilly's und diekatholischen Fürsten des Rheinlandes, oder nach Süddeutschland gegendie Erblande des Kaisers? Oxenstjerna und mit ihm viele Andere be-redeten Gustav Adolph, ohne Verzug sich mit allen Kräften gegen dieletztern zu wenden und mit Waffengewalt den Kaiser, zu einem für dieProtestanten, für Deutschland, Schweden und ganz Europa vortheilhaftenFriedensschluss zu zwingen. Gustav Adolph, der zwar ein Handeln nachdieser Richtung hin für vortheilhaft und nöthig anerkannte, wollte jedochdiesen Marsch nicht persönlich mit der Hauptmacht der schwedischenArmee unternehmen, um weder den Katholiken noch den ProtestantenDeutschlands, wie auch den europäischen Staaten, besonders Frankreich,Veranlassung zu geben, die Reinheit und Uneigennützigkeit seiner Ab-sichten zu bezweifeln und ihn im Verdachte des Ehrgeizes zu haben.Ausserdem entsprach eine solche Handlungsweise gar nicht dem Geisteder regelrechten, vorsichtigen und systematischen Kriegführung GustavAdolph's. Er hielt es für nöthig, sich zuvor von Seiten Tilly's und derrheinischen katholischen Fürsten ganz zu sichern, sie von Baiern unddem Kaiser durch Befreiung, Besetzung und Bewaffnung des südwest-lichen protestantischen Deutschlands abzuschneiden und sich im west-lichen Deutschland eben so sicher festzusetzen, wie im nördlichen.Ausserdem waren es wahrscheinlich auch noch andere politische Ur-sachen (besonders von Seiten Frankreichs), die ihn hinderten, auf diesenOperationsplan einzugehen. Anderseits wurden die Operationen in West-deutschland gegen Tilly und die rheinischen katholischen Fürsten, nachdem Siege bei Leipzig, von geringerer Wichtigkeit, untergeordneter Naturund erforderten nicht die Anwendung der Hauptmacht der schwedischenArmee unter Gustav Adolph's persönlicher Führung. Ein Theil der pro-testantischen Truppen war hinlänglich dazu, um Tilly zu hindern, sichzu verstärken und sich in Westdeutschland festzusetzen, und um die