68 I. Dreissigjähriger Krieg.
§.30.Bewegungen Tilly's und Gustav Adolph's nach Sachsen. — DieSehlacht bei Breitenfeld oder Leipzig.Nachdem der Kaiser endlich beschlossen hatte, den Kurfürsten vonSachsen durch Gewalt zur Einstellung der Küstungen und zur Vereini-gung mit ihm zu zwingen, befahl er Tilly, Fürstenberg, Altringer undFugger von Westen her, Tiefenbach aber von Schlesien aus nach Sachsenvorzurücken. Tilly, der sich (am 18. August) in Eisleben mit Fürsten-berg vereinigt hatte und dessen Truppen somit jetzt auf 34,000 Mannangewachsen waren, rückte unter Erhebung sehr grosser Contributionenund unter Verwüstung des Landes nach Leipzig vor. Leipzig capitu-lirte bald, und Tilly, in Erwartung der Ankunft Altringer's und Fugger's,schlug vor der Stadt ein Lager auf. Die strengen Massregeln des Kaiserserbitterten nur,, den Kurfürsten von Sachsen und beschleunigten seinenAnschluss an Gustav Adolph mit 18,000 Mann Truppen, die er bei Torgauzusammengezogen hatte. Am 1. September wurde zwischen ihm undGustav Adolph, der mit seiner Armee nach Koswig gekommen war, dortein Bündniss abgeschlossen, nach welchem der Kurfürst sich verpflichtete,der schwedischen Armee ein Monatsgehalt zu zahlen, dieselbe mit Proviantzu versorgen und in die wichtigsten Städte Sachsens einzulassen. Gleichnach dem Abschlüsse dieses Bündnisses ging Gustav Adolph in Witten-berg über die Elbe (3. September) und vereinigte sich in Düben mit deraus Torgau angekommenen sächsischen Armee. Die Stärke des ver-einigten schwedisch-sächsischen Heeres betrug ungefähr 40,000 Mann,worunter 24,000 Schweden und 16,000 Sachsen (25,000 Mann Fussvolk,12,000 Mann Reiterei und 70 Geschütze). In dem zu Düben zusammen-berufenen Kriegsrathe war der Kurfürst der erste, welcher vorschlug, so-fort gegen die kaiserlichen Truppen vorzurücken und ihnen eine Schlachtanzubieten. Gustav Adolph war gern damit einverstanden, und die ver-bündeten Armeen rückten in zwei Colonnen nach Leipzig vor. Tillybeabsichtigte Anfangs, bis zur Ankunft Altringer's und Fugger's west-lich von Leipzig hinter der Elster und Saale defensiv zu operiren. Derfeurige Pappenheim aber, der Tilly's Unentschlossenheit sah, stellte dieNotwendigkeit, den Verbündeten entgegen zu gehen, vor. Tilly gabseinen Vorstellungen nach, nahm zuerst Stellung nordwärts vor Leipzig,ging aber beim Herannahen der verbündeten Armee derselben entgegenund stellte sieb mit dem rechten Flügel vor dem Dorfe Seehausen und mitdem linken vor dem Dorfe Breitenfeld auf. Er hatte nicht mehr als 32,000Mann Truppen (21,000 Mann Fussvolk und 11,000 Mann Reiterei), welcheer folgendermassen aufstellte: die Infanterie in 17 grossen Bataillen imCentrum, die Reiterei aber in ebensolchen Massen an den Flügeln. Ein