3. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 67
unbedeutenden Keitergefechte (28. Juli), an Proviantmangel leidend,und weil er das Lager der Schweden zu stark befestigt fand, sowie auchin Erfahrung gebracht hatte, dass Tags zuvor Hörn mit 9000 MannTruppen in dasselbe eingerückt war, zurück nach Wolinirstädt undzwar unter Deckung einer von den Schweden stark verfolgten Arriere-garde. — Unterdessen hatten die kaiserlichen Truppen, die unter Fürsten-berg's, Altringer's und Fugger's Befehl in Schwaben und Franken ein-gerückt waren, durch Drohungen, Plünderungen und Verwüstungen desLandes eine grosse Zahl der protestantischen Fürsten dieses Theilesvon Deutschland gezwungen, sich dem Kaiser zu unterwerfen, ihreTruppen den kaiserlichen einzuverleiben und bedeutende Geldcontribu-tionen zu zahlen. Die Truppen Fürstenberg's, Altringer's und Fugger'serhielten bald darauf den Befehl, sich mit den Truppen Tilly's zu ver-einigen, und diejenigen von ihnen, welche die Tete bildeten, über-schritten schon den Main. In Erwartung ihrer Ankunft blieb Tilly in Un-thätigkeit bei Wolmirstädt, dem Centralpunkte zwischen Brandenburg,Sachsen und Hessen-Kassel. Seine Truppen befanden sich in äussersterUnordnung, waren durch Desertionen und Krankheiten geschwächt undlitten an Allem den äussersten Mangel.
Inzwischen war der Landgraf von Hessen - Kassel im WerbenerLager eingetroffen, wo zwischen ihm und Gustav Adolph (am 12. August)ein Offensiv- und Defensivbündniss abgeschlossen wurde. Darnach kehrteder Landgraf mit zwei der besten schwedischen Infanterieregimenterund dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, der den Oberbefehlüber die hessischen Truppen zu übernehmen hatte, in seine Besitzun-gen zurück. Gustav Adolph liess im Lager bei Werben nur die zur Ver-theidigung desselben nöthige Anzahl Truppen und brachte die übrigen(18,000Mann) hinter der Havel (in Havelberg, Brandenburg undßathenow)unter und zwar so, dass er dieselben immer concentriren konnte, wohinauch der Feind sich wenden mochte. Jeder abgesonderte Theil hatte dieWeisung, jedem Kampfe mit einem überlegenen Feinde bis zur Ankunftder Hauptmacht auszuweichen und defensiv unter dem Schutze der ver-schiedenen sorgfältig an der Havel befestigten Punkte zu operiren. Durchdiese Massregeln gedachte Gustav Adolph den Feind an der Havel zuhalten und, nachdem er ihn in eine enge und verwüstete Gegend desLandes zwischen der Havel und Elbe eingeschlossen, ihn zu zwingen,nach Sachsen zu gehen, und den Kurfürsten von Sachsen, sich schnellerzu Gunsten der einen oder andern Partei zu entscheiden.