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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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<Ö6 I. Dreissigjähriger Krieg.

Das baldige Eintreffen Tott's und Horn's erwartend, entschloss sichGustav Adolph die Elbe zu überschreiten, um Tilly vom Landgrafenvon Hessen-Kassel abzuziehen. Mit 7000 Mann Fussvolk und 2000 MannReiterei rückte er von Brandenburg aus nach Jerichow an der Elbe unter-halb Magdeburg, und am 29. Juni, unter dem Scheine, als ob er nachMagdeburg marschire, machte er einen Tagesmarsch aufwärts am rechtenEibufer, um den bei Tangermünde aufgestellten Pappenheim abzu-lenken, traf aber unterdessen alle nöthigen Anordnungen zu einem Fluss-übergange in der Nähe von Jerichow. Als Pappenheim sich Magdeburgnäherte, um den Schweden dort zuvorzukommen, kehrte Gustav Adolphschnell nach Jerichow zurück, setzte einen Theil seiner Truppen aufBöten über die Elbe, eroberte die Stadt und das Schloss Tangermünde(l.Juli , erbaute eine Brücke, führte über dieselbe alle seine Truppen hin-über , besetzte einige Punkte auf der linken Seite der Elbe und bezogbald darauf (13. Juli) ein stark befestigtes Lager beim Städtchen Werben,dem Zusammenfluss der Havel und Elbe gegenüber, wo er ein durcheine Brücke über die Elbe mit dem befestigten Lager verbundenes Forterrichtete: Pappenheim zog sich nach Halberstadt zurück.

§.29.Tilly's Bewegungen gegen Gustav Adolph nach Werben zu.

Gustav Adolph hatte seinen Zweck erreicht; nachdem Tilly einenTheil seiner Truppen an den Grenzen von Hessen-Kassel gelassen, eilteer wirklich zur Elbe zurück, vereinigte sich mit Pappenheim und stelltesich mit etwa 27.000 Mann Truppen bei Wolmirstädt auf und schob aufeine ziemlich bedeutende Entfernung. drei Regimenter Reiterei in derRichtung nach Werben vor. Als Gustav Adolph, der zu der Zeit nichtmehr als 10,000 Mann Truppen hatte, von der abgesonderten und weitentfernten Stellung der Tilly'schen Reiterei erfuhr, führte er mit einer4000 Mann starken Reiterabtheilung einen nächtlichen Ueberfall auf die-selbe aus, warf und schlug die Tilly'sche Reiterei bei Burgstall, Angernund Reinsdorf, ehe Tilly noch derselben zu Hülfe kommen konnte, undzog sich gleich darauf in das Lager bei Werben zurück. Durch diesenspeciellen Erfolg beabsichtigte Gustav Adolph die ersten Offensivopera-tionen hinter der Elbe zu eröffnen, den Geist seiner Truppen zu hebenund in ihnen Selbstvertrauen zu erwecken, dem Feinde aber Achtungvor den Schweden einzuflössen.

Um die seiner Reiterei beigebrachte Niederlage zu verwischen,rückte Tilly (am 27. Juli) an das Werbener Lager heran, stellte seineTruppen in Schlachtordnung auf, beschoss das Lager der Schweden,allein er wagte nicht dasselbe anzugreifen und kehrte nach einem