64 I. Dreissigjahriger Krieg.
der so grossmüthig für sie stritt, so geringe Mitwirkung erwiesen, for-cirte Tilly die Blokade und Belagerung Magdeburgs. Die Garnisondieser Stadt bestand aus bewaffneten Bürgern und einer geringen Zahlschwedischer Truppen, im Ganzen gegen 3000 Mann unter dem Befehldes schwedischen Obersten Falkenberg. Die Schwäche der Garnison,die Unordnung in derselben, die schwache Mitwirkung der Bürger undder Mangel an Geschossen beschleunigten den Fall Magdeburgs und er-leichterten Tilly die Einnahme desselben. Den 10. Mai wurde die Stadtmit Sturm genommen und der Plünderung Preis gegeben, 40,000 Ein-wohner aber wurden niedergemacht.
§.27.
Der Marsch Tilly's nach Hessen-Kassel; Operationen Gustav Adolph's
auf der rechten Seite der Elbe.
Das traurige Loos, das Magdeburg betroffen, schüchterte die Prote-stanten nicht ein, sondern erbitterte sie noch mehr. Ohne die Forderun-gen und Drohungen des Kaisers zu beachten, weigerten sie sich nichtnur ihre Truppen zu entlassen, sondern fuhren fort Werbungen undRüstungen zu machen. Am thätigsten und feindseligsten unter ihnenwaren der Landgraf von Hessen-Kassel und der Kurfürst von Sachsen-Der Kaiser beauftragte Tilly, sie durch Waffengewalt zur Einstellungder Anwerbungen und Rüstungen zu zwingen. In Magdeburg 5000 MannTruppen und in der Nähe von Magdeburg Pappenheim mit einerkleinen Heeresabtheilung zurücklassend, marschirte Tilly Anfangs Junimit 26,000 Mann Truppen über Mansfeld. Eisleben und Sangerhausengegen Hessen-Kassel. Während seine Truppen auf dem Wege durchFeuer und Schwert das Land verwüsteten'und sich allen möglichen Ge-waltthätigkeiten und Ausschreitungen hingaben, machten die in Schlesienversammelten kaiserlichen Truppen von der andern Seite Raubzüge nachKrossen und verwüsteten die Lausitz und die Besitzungen des Kurfürstenvon Sachsen; die nach Beendigung des Krieges um die Erbfolge im Her-zogthume Mantua aus Italien, sowie aus Lothringen angekommenenkaiserlichen Truppen aber zwangen die Protestanten des südwestlichenDeutschlands (Schwaben und Franken) sich zu unterwerfen und zu ent-waffnen. Durch die Handlungsweise des Kaisers erbittert, ergriffen derLandgraf von Hessen-Kassel und der Kurfürst von Sachsen energischeMassregeln zum Widerstände und zur Vertheidigung ihrer Besitzungengegen ihn.
Gustav Adolph, fest an seiner mit dem Kurfürsten von Brandenburg-getroffenen Ucbereinkunft haltend, gab ihm nach dem Falle MagdeburgsSpandau zurück. Aber gleich darauf rückte er von Neuem nach Berlinvor und zwang durch Drohungen den Kurfürsten einen für die Schweden