3. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 63
Auf dem Wege erfuhr er, dass Frankfurt von den Schweden erobertworden, und kehrte nach Magdeburg zurück, in der Absicht GustavAdolph entweder von der Oder, Pommern und Schlesien zur Elbe hinabzuziehen, ihn zum Kampfe zu zwingen und zu schlagen, oder Magde-burg zu erobern und durch exemplarische Bestrafung der EinwohnerMagdeburgs die Protestanten einzuschüchtern.
Gustav Adolph wäre sofort, wenn er nur gekonnt hätte, dem für ihnund die Protestanten so wichtigen Magdeburg zu Hülfe geeilt. Aber dazuwar es nöthig, durch die Besitzungen der Kurfürsten von Brandenburgund Sachsen zu marschiren, welche aus falscher Politik und Furcht vordem Kaiser gar nicht darauf eingehen wollten, der erste: die Schwedenin seine Festungen einzulassen, und der letztere: den Uebergang überdie Elbe bei Wittenberg oder Dessau zu gestatten. Seiner früheren Vor-sicht untreu zu werden und geradaus drauf los zu marschiren, ohne diebrandenburgischen Festen eingenommen und dadurch die Flügel undVerbindungen seiner Armee sicher gestellt zu haben, wollte und konnteGustav Adolph nicht. Ebenso konnte er nicht vom rechten Eibufer ausMagdeburg Hülfe leisten, weil die Magdeburger Brücke zerstört und dieUmgegend verwüstet war, noch oberhalb oder unterhalb Magdeburg inder Nähe eines starken Feindes die Elbe überschreiten. Die mit demKurfürsten von Brandenburg eröffneten Unterhandlungen dauertenlange und führten zu nichts. Endlich beschloss Gustav Adolph ihn dazuzu zwingen dasjenige zu thun, was er nicht gutwillig gewähren wollte.An der Oder liess er Hörn zurück und befahl ihm in Kressen bis 18,000Mann Truppen zu sammeln, mit denselben Schlesien zu beobachten, imgünstigen Falle auch in dasselbe einzudringen, und ging selbst über dieSpree (1. Mai), rückte nach Berlin heran, und indem er dasselbe durchArtilleriefeuer zu zerstören drohte, zwang er endlich den Kurfürsten1) den Schweden Küstrin und Spandau abzutreten, die er sofort nachder Entsetzung Magdeburgs zurückzugeben versprach, 2) der schwe-dischen Armee eine Contribution zu zahlen und 3) dieselbe mit Proviantzu versorgen. Nachdem Spandau und Küstrin besetzt waren, wurde dieschwedische Armee, gegen 25,000 Mann stark, in der Nähe von derersten dieser Festungen untergebracht, da es ihr nicht möglich war,weiter vorzurücken, weil der Kurfürst von Sachsen immer noch nichteinwilligte, die Armee in Wittenberg oder Dessau die Elbe passiren zulassen. Die zu derselben Zeit in Leipzig versammelten Protestanten hattenbeschlossen, 40,000 Mann Truppen zu bewaffnen, aber keineswegs umGustav Adolph zu helfen. Während nun auf solche Weise die deutschenProtestanten in einer Sache, die nicht nur ihr eigenes Wohl und ihreFreiheit, sondern die ganz Deutschlands betraf, solch schimpflichenEigennutz und Kleinmuth an den Tag legten und Gustav Adolph,