Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60 I- Dreissigjähriger Krieg.

wie die Repräsentanten der freien Städte, um zu berathen, welche Mass-regeln zu treffen wären, dem Kaiser entgegen zu wirken.

Unterdessen war die Aufmerksamkeit und der grösste Theil derStreitkräfte des letzteren auf den gewesenen Administrator von Magde-burg Christian Wilhelm und den Herzog von Sachsen-Lauenburg ge-richtet. Der erste von ihnen hatte, nachdem er Magdeburg, Halberstadtund die nahe liegenden Städte bewaffnet, noch im August und Septemberdes Jahres 1630 die kaiserlichen Truppen aus den magdeburgischen undhalberstädtischen Besitzungen verdrängt und führte thätig einen kleineuKrieg. Endlich rückte Pappenheim mit 17,000 Mann kaiserlicher Truppennach Magdeburg vor, als er aber von den Erfolgen des Herzogs vonSachsen-Lauenburg im westlichen Mecklenburg erfuhr, wandte er sichgegen ihn, umzingelte ihn und nahm ihn bei Ratzeburg gefangen, kehrtedarauf nach Magdeburg zurück und blokirte diese Stadt (Ende Sep-tember) .

§.24.

Tilly's Marsch von Magdeburg nach Frankfurt und Landsberg, und

Gustav Adolph's Marsch nach Demmin.

Im Februar des Jahres 1631 erschien endlich den Schweden gegen-über die kaiserliche Hauptarmee, an 22,000 Mann stark unter Tilly'sCommando, welcher zuerst nach Magdeburg vorrückte. Aber bald darauf,der bedrängten Lage wegen, in welcher sich Schaumburg's Truppen be-fanden , wandte er sich nach Frankfurt, vereinigte sich mit ihm undhatte nun gegen 34,000 Mann Truppen. Dann marschirte er nach Lands-berg und zwang die Schweden die Blokade aufzuheben und sich nachBärwalde zurückzuziehen. Tilly, der an Kraft Gustav Adolph (welchernicht mehr als 25,000 Mann Truppen hatte) überlegen war, bemühtesich, ihn aus dem befestigten Lager bei Bärwalde herauszulockenund zu einer Schlacht auf freiem Felde zu zwingen, erkühnte sich abernicht, ihn im befestigten Lager anzugreifen. Gustav Adolph seinerseits,nachdem er beschlossen, zwischen der Elbe und Oder zu bleiben, um jenach Umständen sich nach Schlesien oder Sachsen wenden zu können,beabsichtigte den Tilly nach Mecklenburg abzuziehen und dann sichschnell nach Frankfurt und Landsberg zu wenden und diese Städte,deren Besitz ihm zur Sicherstellung seiner weiteren Operationen nöthigwar, zu erobern.

Nachdem er auf der rechten Seite der Oder im Lager bei SoldinHörn mit 89000 Mann Truppen mit dem Befehle gelassen, im Möglich-keitsfalle Frankfurt und Landsberg zu erobern, einer Schlacht gegenüberlegene Streitkräfte auszuweichen und gegen dieselben defensiv zuagiren. marschirte Gustav Adolph mit 16,000 Mann Truppen über Stettin