3. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 57
liehen Truppen "Wismar und Eostock zu entreissen, Verbindungen mitHamburg und Lübeck herzustellen, für den Winter sich zu verprovian-tiren und die kaiserlichen Truppen von der unteren Oder abzuziehen.Ehe er aber nach Mecklenburg abzog, wollte Gustav Adolph noch ver-suchen, die kaiserlichen Truppen zum Rückzüge von Garz zu zwingen •da er aber ihr Lager stark befestigt fand. so unterliess er den Angriffdesselben (wahrscheinlich um seine Truppen zu schonen) und, nachdemer bei Stettin Hörn mit einem grossen Theile des Heeres zurückgelassen,mit der Weisung defensiv zu operiren und im Falle eines weit an Stärkeüberlegenen feindlichen Angriffes sich zu ihm hin zurückzuziehen, —schiffte sich Gustav Adolph selbst mit 6000 Mann Truppen nach Stral-sund ein. Hier gelandet, marschirte er in Mecklenburg ein, nahm Rib-nitz und Dammgarten und stellte sich bei ersterein im befestigten Lagerauf. In der Erwartung, dass gegen ihn sich baldigst die Hauptmacht desKaisers und der Katholiken wenden werde, wollte Gustav Adolph nachMöglichkeit seinen Wirkungskreis in Deutschland vergrössern, möglichstgrosse Länderstrecken besetzen, um dadurch die Bewaffnung und Ver-einigung der deutschen Protestanten mit ihm zu erleichtern und zu be-schleunigen und um selbst den grössten Theil der Hülfsmittel des Lan-des für sich ausnutzen zu können. Zu diesem Zwecke gedachte er seineArmee durch Verstärkungen aus Schweden, durch Truppen der deut-schen Protestanten und durch die in den Niederlanden, Frankreich undim nördlichen Deutschland, Preussen, Polen und Livland angeworbenenMannschaften bis auf 80,000 Mann zu bringen und mit allen diesenStreitkräften, die er in fünf Armeen einzutheilen beabsichtigte, auf derganzen Strecke zwischen den Grenzen Polens und den Niederlanden zuoperiren, und zwar mit der einen Armee von Kolberg bis zu den GrenzenPreussens hin, mit der zweiten zwischen Stralsund und Kolberg, mitder dritten (Hauptarmee) zwischen Stralsund und der untern Elbe, mitder vierten zwischen der Elbe und Weser, und endlich mit der fünften inWestphalen, von Bremen aus.
In Folge eingetretener veränderter Umstände aber blieb dieser weit-greifende Operationsplan unausgeführt. Der zur Feststellung der zurPacificirung Deutschlands nöthigen Mittel in Regensburg im Juni 1630versammelte Reichstag der Fürsten endete endlich (im November) damit,dass der Kaiser, den Klagen der katholischen Fürsten, die sich durchden Hochmuth und die Anmassung Wallensteins beleidigt fühlten undvon Unwillen gegen die Unordnung und die Gewalttätigkeiten seinerTruppen erfüllt waren, Gehör gebend, zu einem Schritte genöthigt war,der einen ausserordentlichen Einfluss auf den Krieg hatte, nämlich —Wallenstein das Obercommando über die katholischen Truppen zu nehmenund dasselbe dem Grafen Tilly anzuvertrauen. Mit der Abberufung