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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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3. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (16301634). 53

hatte Deutschland überhaupt weder die Möglichkeit noch die Entschlos-senheit, für seine Rechte und Unabhängigkeit sich zu erheben.

Der grössere Theil der europäischen Staaten konnte Deutschlandkeine Hülfe leisten. England war durch innere Unruhen in Anspruchgenommen, die Niederlande durch den Krieg mit Spanien, Spaniendurch den Krieg mit den Niederlanden und mit Frankreich im nördlichenItalien; Dänemark hatte eben einen Separatfrieden mit dem Kaiser ge-schlossen. Es blieben nur Frankreich und Schweden übrig. Erstereshalf Anfangs dem Kaiser; als aber der Krieg in Deutschland eine ent-schiedene Wendung zu Gunsten desselben nahm, so beschloss der Cardi-nal Richelieu, der unterdessen in Frankreich die monarchische Machtbefestigt hatte, in Deutschland den Protestanten beizustehen und, indemer das Haus Oesterreich schwächte, die Macht Frankreichs zu heben. Danun aber Frankreich als katholischer Staat nicht offen die Partei derProtestanten nehmen konnte, so beschloss Richelieu zum Kriege gegenden Kaiser Schweden zu bewegen, einen protestantischen Staat, derhinlängliche Veranlassung und Ursache zu diesem Kriege hatte, unddessen innerer Zustand, besonders aber die grossen Talente seines Kö-nigs Gustav Adolph, hinlängliche Bürgschaft für den Erfolg der Ein-mischung Schwedens in den Krieg boten. Zu diesem Zwecke wurde denn,durch die Bemühungen Richelieu's, der Krieg Schwedens mit Polen nochim Jahre 1629 durch einen auf 6 Jahre abgeschlossenen Waffenstillstandeingestellt, und Schweden entschloss sich dem Kaiser den Krieg zu er-klären.

§.21.

Der Zustand Schwedens; Ursachen und Veranlassungen Schwedens

zum Kriege ; Kriegsplan; Kriegsvorbereitungen und Zweck der ersten

Kriegsoperationen in Deutschland.

Schweden, ein dünn bevölkerter und nicht reicher Staat, wäre nichtim Stande gewesen einen grossen und wichtigen Krieg zu führen, wennder Mangel an Kräften und materiellen Mitteln in demselben, nicht reich-lich aufgewogen worden wäre durch die sittliche Kraft des Volkes, durchdie geregelte Ordnung im Civilwesen und ausgezeichnetste Organisa-tion des Militärwesens im Allgemeinen und der Truppen insbesondere,durch die von den letztern erworbenen Erfahrungen in den Kriegenmit Dänemark, Russland und Polen, hauptsächlich aber durch diehohen staatsmännischen und militärischen Talente Gustav Adolph's unddurch die grenzenlose Liebe und das Zutrauen des Volkes und derTruppen zu ihm.

Die für Schweden feindseligen Handlungen des Kaisers, die demStaate schadeten, für die Würde und Ehre Gustav Adolph's und des