54 I. Dreissigj ähriger Krieg.
schwedischen Volkes beleidigend waren, die Unterdrückung der mit denSchweden gleichgläubigen deutschen Protestanten seitens des Kaisers,sein Ehrgeiz, der die politische Freiheit Deutschlands und ganz Europasund die Sicherheit Schwedens bedrohte, endlich der Wunsch GustavAdolph's seinem feurig geliebten Schweden den Ruhm zu verschaffen derBeschützer des Protestantismus und Befreier Deutschlands und Europaszu sein, Schweden sicher zu stellen und es unter den europäischen Staatenzu erhöhen — 'alles dieses waren hinlängliche Beweggründe und Ver-anlassungen für Schweden dem Kaiser den Krieg zu erklären. Als dieReichsstände Schwedens die Frage behandelten, was für einen KriegSchweden führen müsse, einen offensiven in Deutschland oder einendefensiven in den eigenen Grenzen, so entschieden der Kanzler Oxen-stjerna und mit ihm ein Theil der Reichsstände sich zu Gunsten desletztern. Gustav Adolph aber und mit ihm der schwedische Senatwiderlegten alle zu Gunsten eines Defensivkrieges aufgestellten Gründeund bewiesen, dass für Schweden bei den damaligen Verhältnissen esin jeder Hinsicht vortheilhafter sei, gegen den Kaiser einen Offensivkriegin Deutschland selbst zu führen. Diese Meinung wurde durch folgendetriftige Beweisgründe unterstützt: 1) Schweden könne auf den Beistandder deutschen Protestanten, freien Städte und europäischen Staatenrechnen, auf welche sich hingegen der Kaiser nicht verlassen könne;2) Schweden müsse die Festsetzung des Kaisers und anderweitigerMächte an den Ufern der Ostsee verhindern; 3) ein Offensivkrieg inDeutschland wäre leichter zu führen als ein Defensivkrieg in Schwedenselbst; 4) ein Offensivkrieg in Deutschland hindere nicht die Verthei-digung Schwedens, das eine starke Flotte und eine Landwehr habe;5) ein Offensivkrieg des Kaisers und folglich ein Defensivkrieg Schwedensgegen den Kaiser sei unwahrscheinlich, und endlich 6) bei einem Offen-sivkriege Schwedens in Deutschlands hinge Alles vom ersten Erfolge ab,und daher wäre letzterer genügend zu sichern; durch Zögern in Schwe-den könne Alles verloren werden.
Die Reichsstände, die mit dem Volke ein unbegrenztes Vertrauenzu Gustav Adolph hegten, waren einstimmig seiner Meinung. Alsdannsicherte sich Gustav Adolph durch Verträge seitens der benachbartenStaaten, ordnete die inneren Angelegenheiten, brachte bedeutende Geld-summen und jeglicher Art Vorräthe auf, verstärkte seine Flotte, erbauteeine grosse Anzahl Transportschiffe und stellte endlich zur Landung inDeutschland ein 15,000 Mann starkes Heer ausgezeichneter Truppen auf,bestehend aus 12,500 Mann Fussvolk (92 Compagnien) und 2000 MannReiterei (16 Compagnien) bei gehöriger Anzahl von Feldgeschützen.Zur Verstärkung und allmäligen Ergänzung dieser Truppen nach derLandung waren wirksame Mittel ergriffen worden: in Livland und