44 I- Dreissigjähriger Krieg.
halt der von Wallenstein aufgebrachten Armee kostete dem Kaiser garnichts ; dafür lastete aber die ganze Schwere desselben auf demjenigenLande, das von dieser Armee besetzt war oder in dem sie operirte.
Wallenstein fasste den Entschluss, unabhängig vonTilly gegen denlinken Flügel und die Verbindungen des Königs von Dänemark zu operiren,um Letztern dadurch zum Rückzug nach Dänemark zu zwingen. Ehrgeizigund hochmüthig, wollte er mit Niemand seine Macht, noch seinen Ruhmtheilen; ausserdem bot das schon ausgesogene Land an der Weser keineMöglichkeit, die Heere Tilly's und Wallenstein's zusammen zu unterhalten.Im Frühjahr 1626 rückte Wallenstein aus Böhmen in Sachsen ein, be-mächtigte sich des Uebergangs über die Elbe bei Dessau, befestigte den-selben stark, und nachdem er solcher Gestalt seine Verbindungen mitdem rechten Eibufer gesichert hatte, marschirte er gegen den Königvon Dänemark. In dieser Zeit ging Mansfeld mit seinen Truppen beiSandau über die untere Elbe und marschirte das rechte Eibufer auf-wärts nach Dessau, wohl aus dem Grunde, um durch die Besitz-nahme des Uebergangs über die Elbe an diesem Orte, Wallensteinvom Könige von Dänemark abzuziehen. Von dem Brückenkopfe zurück-geworfen, konnte er sich des Uebergangs nicht bemächtigen, zwang je-doch Wallenstein nach Dessau zurückzukehren. Nachdem dieser hier dieElbe überschritten, fiel er über Mansfeld her und schlug ihn (25. April1626,. Mansfeld begann Heere in Brandenburg und Schlesien anzuwer-ben, und nachdem er schon gegen 12,000 Mann zusammen hatte, Hess ereinen Theil derselben in Schlesien und rückte mit den übrigen über Mährennach Ungarn zur Vereinigung mit Bethlen-Gabor. Es erscheint sonderbar,dass Wallenstein, dessen Hauptzweck gegen den König von Dänemarkund die Protestanten Norddeutschlands zu operiren war, mit seinerganzen Armee die kleine Heeresabtheilung Mansfeld's an das entgegen-gesetzte entfernte Ende Deutschlands verfolgte und nur einen Truppen-theil zum Schutze des befestigten Dessauer Flussüberganges zurück-gelassen hatte. Dieses lässt sich nur durch die grosse Gefahr, die demHause Oesterreich seitens Bethlen-Gabor's, Mansfeld's und der wieder auf-rührerisch gewordenen Protestanten in Oberösterreich drohte, erklären.Nachdem Wallenstein die von Mansfeld in Schlesien zurückgelassenenTruppen geschlagen hatte, ging er bis an die Raab vor. Im December1626 schloss Bethlen-Gabor mit dem Kaiser Frieden; Mansfeld, gezwun-gen seine Heeresabtheilung zu entlassen, begab sich nach Venedig,um von dort zu Schiff nach Norddeutschland zu gelangen, starb aberunterwegs unweit Zara in Dalmatien. Die Protestanten Oberösterreichsaber wurden von den aus Italien unter Pappenheim's Befehl angelangtenkaiserlichen Truppen zum Gehorsam gebracht. Somit erwies sich derMarsch Wallenstein's aus Sachsen nach Ungarn nicht nur als unnütz,