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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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2. Erste Periode des dreissigjährigen Krieges (16181630). 39

Unfähigkeit Friedrich's, die Uneinigkeit der Heerführer und Ungleichartig-keit des Heeresbestandes, die gänzliche Abwesenheit jeder Ordnung unddie Kleinmüthigkeit der Truppen selbst einerseits, die Entschieden-heit und Kunst des Herzogs von Baiern und Tilly's im Operiren sowiedie Tapferkeit ihrer Heere anderseits waren die Ursache, dass in der(am 8. November 1620) beim Weissen Berge gelieferten Schlacht die böh-mische Armee gänzlich geschlagen wurde. Ein bedeutender Theil der-selben kam in der Moldau um, der übrige Theil war entweder vernichtetoder in Gefangenschaft gerathen. Friedrich rettete sich durch die Fluchtnach Schlesien und von dort nach Brandenburg. Prag ergab sich aberdem Herzoge von Baiern am Tage nach der Schlacht.

Der Sieg beim Weissen Berge entschied über den Krieg in Böhmenund über das Geschick Böhmens selbst. Die kaiserlichen und katho-lischen Heere zerstreuten sich über ganz Böhmen und unterwarfen baldalle Städte Böhmens. Mansfeld allein hielt sich noch ziemlich lange inPilsen, war aber schliesslich gezwungen mit einem kleinen Reste seinesHeeres in die Oberpfalz zu ziehen. Mähren ward auch zum Gehorsamgebracht, und der Kurfürst von Sachsen unterwarf der kaiserlichenMacht Schlesien und vergrösserte seine Besitzungen durch Einverleibungder Lausitz. Ferdinand II. begnügte sich nicht mit der UnterwerfungBöhmens und der grausamen Bestrafung der Böhmen. Eigenmächtig er-klärte er Friedrich und dessen ganzes Geschlecht seiner pfälzischen Erb-besitzungen verlustig und trug den spanischen, katholischen und seinenHeeren auf, die obere und untere Pfalz zu unterwerfen.

II.Krieg in der obern und untern Pfalz, am Main und Rhein (16211623).

§. 13.Operationen in der obern und untern Pfalz (1621).

Die untere Pfalz war schon gegen Ende des Jahres 1620 von derspanischen Armee Spinola's besetzt, die in derselben auch im Jahre 1621verblieb, dort plünderte, die benachbarten protestantischen Besitzungenverwüstete, indem sie von denselben ausserordentlich grosse Geldcon-tributionen erhob und die Bevölkerung aufs Aeusserste bedrückte. AufAnregung Englands, der Niederlande, Dänemarks und der Schweizwollte der deutsche Protestantenbund energische Massregeln gegen denKaiser und die katholische Liga unternehmen, verlor aber Zeit mit Be-rathungen und Unterhandlungen, die zu Nichts führten. Bald daraufvermochte die Politik des Kaisers von Neuem den Protestantenbund zuentwaffnen. Die untere Pfalz blieb von spanischen Truppen besetzt und