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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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38 I. Drcissigjähriger Krieg.

Kaiser durch eine unglaubliche Thätigkeit und geschickte Politik es schonvermocht hatte, sich bedeutend mit Truppen sowohl, als auch durch Ge-winnung des Herzogs von Baiern und der katholischen Liga zu ver-stärken. Bei Donauwörth war eine katholische Armee zusammengezogen rund 20,000 Mann spanischer Truppen unter Spinola's Führung marschirtenaus den Niederlanden den Khein aufwärts zur Unterwerfung der unternPfalz. Der Protestantenbund seinerseits zog seine Hauptmacht bei Ulmzusammen und sandte einen Theil der Streitkräfte in die untere Pfalzgegen Spinola. Der Kaiser und Frankreich aber verstanden es geschicktdie Protestanten zu bewegen ihre Heere zu entlassen und sie auf dieseWeise zu entwaffnen. Dann marschirte die katholische Armee fim Au-gust) unter Führung des Herzogs von Baiern nach Oberösterreich, brachtedort die Protestanten zum Gehorsam und nahm Linz ein. Darauf, nach-dem sich der Herzog von Baiern mit den kaiserlichen Heeren unter Bouc-quoi's Führung vereinigt hatte, marschirte er mit 50,000 Mann nachBöhmen. Friedrich, der nicht mehr als 20,000 Mann böhmischer Truppenund 10,000 Mann Hülfstruppen von Bethlen-Gabor, der schon wieder vonNeuem gegen den Kaiser kämpfte, hatte, zog sich nach Pilsen, woMansfeld mit seiner Heeresabtheilung stand, zurück. Die Unordnungim böhmischen Heere war unglaublich : die Befehlshaber befanden sichin beständigem Streit und Feindschaft unter einander, die Truppen ge-horchten ihnen nicht, weil sie den äussersten Mangel an Proviant litten,plünderten das Land, und zu alledem kam noch, dass ansteckendeKrankheiten furchtbar ihre Keinen lichteten. Endlich rückte die böh-mische Armee über Rakonitz nach Prag aus; aber Mansfeld, der sichbeleidigt fühlte, nicht zum Oberbefehlshaber der Armee erwählt zu sein,blieb mit seiner Heeresabtheilung in Pilsen. Der Herzog von Baiern,dessen Truppen nicht minder wie die Böhmen das Land plünderten undan ansteckenden Krankheiten litten, marschirte hinter der böhmischenArmee, aber langsam, weil Boucquoi Unentschlossenheit an den Tag legteund langsam vorrückte. Bei Rakonitz umging er geschickt die böhmischeArmee, um derselben in Prag zuvorzukommen. Dieses zwang Friedricheiligst den Rückzug anzutreten. Aus Furcht, dass seine unbändigenTruppen, in die Stadt geführt, sich dort jeglicher Art von Unordnungenzu Schulden kommen lassen und dieselbe plündern würden, stellte Frie-drich, bei Prag.angekommen, seine Truppen beim Weissen Berge (Wei-senberg, westlich von Prag) mit dem Rücken zur Stadt auf und begannBefestigungen aufzuwerfen. Kaum aber waren drei derselben beendigt,als die vereinigte kaiserlich - katholische Armee, die aus 20,000 MannFussvolk und 5000 Mann Reiterei bestand, die böhmische Armee angriff,die nach Angabe Einiger gegen 34,000 Mann, nach Anderen aber 20 bis25,000 Mann Truppen zählte. Die Kleinmüthigkeit, Sorglosigkeit und