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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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2. Erste Periode des dreissigjiihrigen Krieges (161S1630). 37

Auf diese Weise hatten die Böhmen zum zweiten Male es nicht ver-standen, aus ihrer günstigen Lage, dem Aufstande in Mähren und Schle-sien und der Schutzlosigkeit Wiens Nutzen zu ziehen. Anstatt sich mitden Mähren und Schlesiern zu vereinigen, nach Möglichkeit grosse Streit-kräfte zu sammeln, dieselben vereint zu halten, auf die allerentschiedensteWeise die Oifensive zu ergreifen, dem Kaiser die Möglichkeit sich zu verstär-ken zu nehmen, seine Heere vereinzelt zu schlagen und, so zu sagen, mitdem Schwerte ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen, nahmen die Böhmen zupolitischen Massregeln ihre Zuflucht, die sie nicht erretten konnten, sondernsie verderben mussten. Im August erklärten sie den Kaiser seiner Rechteauf den Thron Böhmens verlustig und wählten zu ihrem König den Kur-fürsten Friedrich von] der Pfalz, einen starken protestantischen Fürsten,dessen Besitzungen an Böhmen grenzten. Der kleinmüthige und sorgloseFriedlich aber war gar nicht fähig die Böhmen in solch schwerer Zeit zuregieren und verblieb in gänzlicher Unthätigkeit, wo es grade galt, dieäussersten Kraftanstrengungen zu machen. Ausser der Wahl Friedrich'sschlössen die Böhmen ein Bündniss mit Bethlen-Gabor. Aber auch dieseskonnte ihnen keinen grossen Nutzen gewähren. Bethlen-Gabor führte Kriegmit dem Kaiser in der Absicht, Ungarn vom Kaiserreiche loszureissen, undsorgte mehr für seinen eigenen Vortheil, als den Böhmen Beistand zuleisten. Nachdem er in Ungarn eingefallen war, belagerte er Pressburgund bedrohte Wien. Nachdem Boucquoi in Böhmen die nöthigen Garni-sonen zurückgelassen, eilte er Wien zu Hülfe und bezog mit einem bis12,000 Mann starken Heere ein befestigtes Lager am linken Donauuferunterhalb Wien, den Rücken durch den Fluss gedeckt (was damals fürdie stärkste Vertheidigungsaufstellung galt). Gleich nach ihm rückteauchThum aus, vereinigte sich mit 10,000 Mann Hülfstruppen Bethlen-Gabor's, und im Ganzen über 26,000 Mann Truppen verfügend, bemühte ersich vergebens, das befestigte Lager des Grafen Boucquoi zu nehmen. Balddarauf, als Bethlen-Gabor in Erfahrung gebracht, dass an Polens Grenzengegen ihn Truppen gesammelt worden, zog er aus Thurn's Armee seineHülfstruppen zurück und schloss gegen Ende des Jahres mit dem KaiserFrieden. Thurn, durch den Abmarsch der Truppen Bethlen-Gabor's ge-schwächt und den grössten Mangel an Proviant leidend, kehrte nachBöhmen zurück, wiederum ohne Nutzen gebracht oder einen Erfolgerrungen zu haben.

§. 12.Operationen des Jahres 1620. Schlacht am Weissen Berge.

Das begonnene dritte Kriegsjahr zeichnete sich durch gänzliche-Unthätigkeit der Böhmen und ihrer Bundesgenossen aus, während der