36 I- Dreissigjähriger Krieg.
von Budweis Schutz zu suchen. Thurn wagte es nicht sie dort anzu-greifen und rückte einem in Schlesien angeworbenen, unter dem Befehldes Grafen von Jägerndorf aus Schlesien nach Böhmen marschirendenHeere von 6Ö0O Mann entgegen. Boucqnoi benutzte seine Abwesenheitund führte einen unerwarteten Ueberfall auf Neuhaus aus. Aber Thurn,der sich schon mit den Schlesiern vereint hatte, gelang es, zur rechtenZeit Neuhaus zu Hülfe zu kommen, und Boucquoi war ge'nöthigt nachBudweis zurückzugehen. Um den Böhmen seinen Beifall zu zeigen unddie Mähren zu einem offenen Aufstande anzuregen, führte Thurn einenEinfall nach Mähren und von dort nach Oesterreich selbst aus undkehrte mit Beute reich beladen zurück. Dieser Einfall und die Besitz-nahme von Pilsen durch Mansfeld (im November) nach einer langwierigenund mühseligen Belagerung und einer blutigen Erstürmung, waren dieletzten Kriegsoperationen im Jahre 1618.
§. 11.Operationen im Jahre 1619.
Der Tod des Kaisers Matthias und die Thronbesteigung Ferdinand's II.waren das Signal zum offenen Aufstande der Mähren und Schlesier. Sieschlössen einen Bund mit den Böhmen und belagerten Olmütz. Nach-dem Thurn Mansfeld mit einem Theile des Heeres in Böhmen ge-lassen hatte, rückte er selbst mit 15,000 Mann in Mähren ein, besetztelglau, Trebitsch, Znaim, eroberte nach einer längeren Belagerung Laaund marschirte, nachdem er sich durch mährische und schlesische Trup-pen verstärkt hatte, nach Oesterreich, setzte in Fischamend über dieDonau, und nachdem er bis vor Wien gekommen, begann er die Stadt zubeschiessen. Thurn hatte in Wien viele Anhänger, Truppen waren fastgar keine in der Stadt, das Volk war aufrührerisch und selbst das Lebendes Kaisers war gefährdet. Boucquoi, verstärkt durch die aus Ungarnund den Niederlanden angekommenen Truppen, sandte einen Theil dersel-ben unter Dampierre Wien zu Hülfe und wandte sich selbst mit der Haupt-macht gegen Mansfeld. Dampierre's Ankunft rettete Wien und den Kaiser.Boucquoi aber überfiel die Vorhut Mansfeld's, schlug sie und flösste denTruppen desselben einen solchen Schrecken ein, dass sie in der grösstenVerwirrung nach Prag flüchteten, sich dort einschlössen und zur Ver-theidigung vorbereiteten. Als Boucquoi gleich nach ihnen gegen Pragheranrückte, nöthigte er dadurch Thurn nach Böhmen zu eilen, ohneauch nur einen Nutzen von seinem Marsch nach Wien gehabt zu haben.Nach Thurn's Rückkehr nach Böhmen zog sich Boucquoi nach Budweiszurück. Nachdem Thurn sich entfernt, führte Dampierre einen Einfallnach Mähren aus, erlitt aber eine Niederlage.