1. Militärwesen und Zustand der Kriegskunst während des dreissigjähr. Krieges. *27
von Prothicten erhalten; dadurch kann man sich einerseits die weitenund schnellen Bewegungen der Armeen, anderseits aher auch dieschreckliche Verheerung des Landes, durch welche die Truppen mar-schirten oder wo sie operirten. erklären. In allen Armeen, besondersin den kaiserlichen waren die Bagagewagen ungemein zahlreich, sowohlwegen des von den Vorgesetzten gemachten Aufwandes als auch daher,weil die Truppen das durch Plünderung und Kauh zusammengebrachteHab und Gut mit sich schleppten, und weil ihnen Frauen und Kinderder Soldaten und eine Menge unnutze Leute folgten. Nach dem TodeHeinrich's IV. wurde aber in der französischen Armee die Zahl der Bagage-Avagen bedeutend verringert. Der Garnisons- und Felddienst wurdeüberall fahrlässig ausgeübt. Endlich, den rohen grausamen Sitten derZeit und dem Bestände der Truppen selbst entsprechend, welche haupt-sächlich aus Landstreichern, Glücksrittern, aus der Gesellschaft aus-gestossenen Leuten etc. angeworben waren, sowie auch in Folge vonNachsichtigkeit seitens der Vorgesetzten selbst, zeichneten sich überalldie Truppen durch Unsittlichkeit, Nichtachtung der Heiligkeit derReligion, der Gesetze und Menschenrechte, durch Abwesenheit jederSubordination, jeder militärischen Ordnung, durch schreckliches Plün-dern, grausame Behandlung der Einwohner sogar in Freundesland ausund glichen mehr Räuberhorden als wohleingerichteten Truppen. Esist ganz natürlich, dass, um solcher Art Trui>pen bändigen zu können, dieKriegsgesetze streng, ja sogar grausam sein mussten. In der That warauch die Todesstrafe eine der Haupt- und am öftersten angewandtenStrafen, sowohl bei den Untermilitärs, als auch bei den Vorgesetztenderselben. Die Strenge der Kriegsgesetze aber hinderte die Truppennicht zu plündern, Unfug zu treiben und sich jede Art von Unordnungzu Schulden kommen zu lassen, zu desertiren etc. Abgesehen davonhaben die Truppen aller Armeen stets Beispiele der höchsten heroischenKühnheit und Tapferkeit an den Tag gelegt, wenngleich auch dieseHeldenthaten immer durch die grösste Grausamkeit verdunkelt wurden.Die Gefangenen wurden gut behandelt, weil man für sie Lösegeld erhielt,und selten wurden dieselben ausgetauscht.
Wenn auch die Strafen für Verbrechen grausam waren, so warendie Belohnungen für Auszeichnungen und Verdienste im höchsten Gradefreigebig. Ausser den Avancements, Medaillen an Ketten etc. be-standen sie nach dem Brauche der damaligen Zeit hauptsächlich ausGeldgeschenken, lebenslänglichen Pensionen etc., die bisweilen dieBelohnten für das ganze Leben versorgten. Am strengsten bestrafte,aber auch am splendidsten mit wahrhaft kaiserlicher Freigebigkeit be-lohnte Wallenstein seine Truppen.
So war der allgemeine Charakter der Heere in damaliger Zeit. Es