26 I. Dreissigjähriger Krieg.
Erschiessen und bisweilen auch durch Spiessmthcnlaufen. Sehr streng,grösstenteils mit dem Tode wurden Kleinmüthigkeit, schnelle Ueber-gabe von Festungen etc. bestraft. Die schwedischen Kriegsgerichtewaren sehr gut eingerichtet und den frühern Regimentsgerichtender Landsknechte ähnlich. Die höchste Kriegsgerichtsbarkeit und zu-gleich die höchste Armeeverwaltung war das Militärcollegium — aucheine der allerbesten Einrichtungen Gustav Adolph's. Sie bestand auseiner bestimmten Anzahl Räthe, Assessoren und dergl. mehr unter demVorsitze des Staatsmarschalls, und derselben lag das Verwaltungs- undOekonomiewesen, die Kriegsgerichtsbarkeit etc. der Armee ob. Bemer-kenswerth ist noch eine Einrichtung Gustav Adolph's, — die bei jedemRegimente eingeführten Schulen für die Soldatenkinder, welche nachdamaligem Brauche selbst auf den Märschen bei ihren Vätern sichbefanden. Verdienste oder Auszeichnungen wurden durch Ranger-höhung, vornehmlich aber nach damaliger Sitte durch Auszahlunggrösserer oder kleinerer Geldsummen, bisweilen einmalig, aber auch bis-weilen in Gestalt lebenslänglicher Pensionen,' belohnt. Aber von GustavAdolph's Tode an verschwanden aus der schwedischen Armee auch derordnungsmässige Unterhalt und die gute Verwaltung derselben, derfrüher ausgezeichnete Geist und die strenge militärische Ordnung. Diefrühere Fürsorge für Kleidung, Verpflegung und überhaupt Unterhalt derTruppen fehlte. Zugleich verschwanden die gute Sittlichkeit und mili-tärische Ordnung aus dem Heere. Alles dieses zusammengenommenwar die Ursache, dass die schwedischen Truppen, die zu Gustav Adolph'sLebzeiten unvergleichlich höher als andere derzeitige Truppen standenund in jeder Hinsicht ihnen als Muster dienen konnten, nach GustavAdolph's Tode bis fast auf gleiche Stufe mit ihnen herabsanken.
Die innere Einrichtung, Verwaltung und Unterhalt der derzeitigeneuropäischen Armeen, sowie auch der Geist und die militärische Ordnungin denselben waren fast überall gleich, hatten fast überall einen allgemei-nen Charakter, den — der grössern oder geringern Unordnung.
Die Truppen bezogen in allen Staaten mehr Gage als in Schweden,aber dieselbe wurde ihnen wie früher sehr nachlässig ausgezahlt. DieRegierungen sorgten wenig für die Versorgung der Truppen mit Kleidernund Proviant. Unter den Vorgesetzten, besonders in den kaiserlichenHeeren, herrschte ein grenzenloser Luxus, die Truppen aber musstensich selbst Kleidung und Verpflegung verschaffen. Magazine wurdennur sehr selten angelegt, gegen Ende des Krieges — öfter. Die Truppenwurden in Lager, aber nicht in Zelte, sondern in Baracken, hauptsäch-lich aber in Quartiere und Garnisonen untergebracht, entweder von denEinwohnern verpflegt oder durch unregelmässige und gewaltsame Be-steuerungen des Landes mit Lieferung ungewöhnlich grosser Quantitäten