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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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1. Militärwesen und Zustand der Kriegskunst während des dreissigjähr. Krieges. 25

eine der wichtigsten und bedeutendsten Neuerungen Gustav Adolphs.Im Kriege errichtete er überall Magazine, in welche aus Schweden her-übergebrachte oder durch regelmässige Erhebungen im Lande beschaffteProviantvorräthe aufgespeichert wurden. Im Allgemeinen war dasProviantwesen in der schwedischen Armee zu Gustav Adolphs Lebzeitenvortrefflich organisirt, und aus allen seinen Handlungen ist die Fürsorgefüraccurate und gute Verpflegung der Truppen zu ersehen. Nach seinemTode schlichen sich grosse Unordnungen in dieser Branche ein und dieschwedischen Truppen wurden in Deutschland hauptsächlich durchPlünderung erhalten.

Im Kriege brachte Gustav Adolph je nach Umständen seineTruppen in Quartiere, in Garnisonen in den Städten oder in befestigteLager unter. In letzterem Falle lebten die Truppen in Zelten, wenn esdie Notwendigkeit erheischte, sogar auch im Winter. Wie aber auchdie Truppen untergebracht sein mochten, überall Wurde der Garnisous-und Felddienst von ihnen mit der grössten Pünktlichkeit erfüllt, überallwurde die strengste Ordnung aufrecht erhalten.

Die Zahl der Bagagewagen in der schwedischen Armee war vonGustav Adolph bedeutend beschränkt. Für jede Keitereompagnie warennicht mehr als zehn, für jede Fussvolkcompagnie nicht mehr als zweiausser einem Marketenderwagen auf jede Compagnie und acht Wagenfür den Begimentsstab bestimmt. Aber der allerhellste, glänzendste Zugder schwedischen Armee zu Gustav Adolphs Zeiten waren: der ausge-zeichnete Geist der Truppen und die strengste militärische Disciplin undOrdnung in ihnen. Scharf zeichneten sich die schwedischen Truppenvor den übrigen zeitgenössischen auch durch Gottesfurcht. Sittlichkeit,Abwesenheit jeder Grausamkeit im Kiiege, Enthaltsamkeit von Gewalt-thätigkeiten und Plünderungen, sowie auch durch alle übrigen Eigen-schaften einer wohlorganisirten Armee aus. Auch hierin, sowie in allemUebrigen gab Gustav Adolph das persönliche Beispiel. Er verbanntefür immer ans seiner Armee alle Missbräuche und Yorurtheile der Feudal -zeit, und beförderte zum höhern Bange nicht anders als für Verdiensteund nach der Anciennetät. Um über andere befehlen zu können, mussteselbst der Vornehmste seiner Geburt nach, zuerst als Untermilitär dienenund selbst gehorchen lernen. Zur Aufrechterhaltung guter Ordnung imHeere erliess Gustav Adolph im Jahre 1621 bei der Belagerung Kiga'sbesondere Verordnungen, die mit einigen Ergänzungen und Abände-rungen auch in der Folge beibehalten sind. Diesen Gesetzen nach wurdenmit ausserordentlicher Strenge Unordnungen jeder Art, besondersGewalttätigkeiten, Diebstähle und Plünderungen bestraft. WichtigeMilitärverbrechen wurden mit dem Tode bestraft, und zwar unter denVorgesetzten durch Köpfen, und unter den Untermilitärs durch