■24 I- Dreißigjähriger Krieg.
und obgleich die Armeen hauptsächlich parallele frontale Angriffe machen,so kommen doch bisweilen Umgehungen und Um Schwenkungen derfeindlichen Flanken, wie das Vorrücken der hintern Linien durch dievordem und dem ähnliche Bewegungen (Banner, Torstenson u. a.) vor.
Gustav Adolph hat in den von ihm gelieferten Schlachten auch nurparallele, frontale Angriffe gemacht. Die grösste Kunst seiner Taktik (nacheinem Geschichtschreiber des 30jährigen Krieges, Chemnitz) bestand insolcher Aufstellung der Truppen, dass die Musketiere von den Lanzen-trägern gedeckt, letztere dagegen von den erstem unterstützt wurden;eine Escadron stand der andern bei, und jede Brigade, ähnlich einerkleinen beweglichen Festung, hatte ihre gut vertheidigten Courtinen undFlanken. Hier muss noch hinzugefügt werden, dass Gustav Adolph imhohen Grade die Kunst besass, die Truppen den Verhältnissen und derOertlichkeit entsprechend zu verwenden und demgemäss den Kampf zuleiten.
Gustav Adolph gebührt auch die Ehre zum ersten Male Ange-sichts einer starken feindlichen Armee den Uebergang über einensehr reissenden, wenn auch nicht sehr breiten Fluss (Lech) forcirt zuhaben. Nachdem kommen ähnliche, mehr oder minder glücklicheUebergänge vor.
§.6.
Verwaltung, Unterhalt und Verpflegung der Armeen. Geist und
Diseiplin in den Heeren.
Zu Gustav Adolph's Zeiten übertraf die schwedische Armee allederzeitigen Armeen auch bedeutend hinsichtlich ihrer innern Einrichtung.Verwaltung und Verpflegung, besonders aber in Betreff des in denTruppen herrschenden Geistes und der Diseiplin.
Die dürftigen, wenngleich von Gustav Adolph erhöhten Staats-einkünfte Schwedens waren die Ursache, dass bei seinen Lebzeitendie schwedischen Truppen im Vergleiche zu den übrigen Armeen einesehr kleine Gage bezogen, die ihnen aber zur gehörigen Zeit gezahltwurde. Nach dem Tode Gustav Adolph's aber wurde wegen beständigenGeldmangels die Gage sehr unregehnässig, oft auch gar nicht gezahlt,was öfter vorkommende Unordnungen bei den Truppen zur Folge hatte.Die schwedische Armee war äusserst einfach gekleidet; jeder Luxus indieser Hinsicht war aus derselben verbannt; Gustav Adolph selbst gabdas Beispiel dazu. Um so grösser war seine Fürsorge, die Truppen durchwarme Kleidung in Herbst- und Winterzeit gesund zu erhalten. Auchwar er der Erste, der eine gleichfarbige Bekleidung bei den Truppeneinführte. Bei Lebzeiten Gustav Adolph's wurde die schwedische Armeehauptsächlich aus Magazinen verpflegt, und diese Verpflegungsart ist