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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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1. Militärwesen und Zustand der Kriegskunst während des dreissigjiihr. Krieges. 23

blanken Waffe angriff. Die französische Reiterei stellte sich in vier bissechs Reihen auf und griff hauptsächlich mit der blanken Waffe an, abersie gab auch Feuer.

Bei der Aufstellung der Truppen im Allgemeinen nahm die Infanteriefast immer das Centrum, die Reiterei aber die Flügel ein. Die Regi-menter wurden nach Anciennetät ihrer Obristen aufgestellt, was bis-weilen zu einem unnützen und gefahrvollen Verschieben der TruppenAngesichts des Feindes zwang. Unter Ludwig XIII. war bei den Fran-zosen die Armee in zwei Brigaden getheilt, deren jede unter dem Befehleines Feld- oder Lager-Marschalls (marechal des camps) stand und aufden rechten Flügel wurde diejenige Brigade aufgestellt, deren Chefgrade an dem Tage dienstthuend war (de Service). In der Folge wurdendie französischen Brigaden bis auf vier bis sechs Bataillone und fünf biszehn Escadrouen verringert.

In der schwedischen Armee wurden mehrere Infanteriebrigaden inzwei Linien aufgestellt. Hinter jeder Linie befanden sich mehrere Reiter-compagnien, und die übrige Reiterei wurde an den Flügeln der Infan-terie aufgestellt. Die Infanterie und die Reiterei hatten ihre Reserve.Die Artillerie war entweder längs der Fronte oder, in Batterien zusam-mengezogen , auf den vortheilhaftesten Punkten postirt. Alle Truppendieser drei Waffengattungen unterstützten sich gegenseitig und ver-stärkten eine die andere. v

Bei Märschen wurden die Truppen wie früher in drei Theile getheilt:Vorhut, Hauptmacht und Nachtrab; in Gustav Adolph's Armee abernur in Vorhut und Hauptmacht. Die Vorhut, die Seitendetachementsund den Nachtrab bildeten gewöhnlich leichte Truppen. Die Truppenmarschirten je nach ihrer Zahl in einer, zwei und nicht mehr als dreiColonnen, und zwar so. dass sie sich in der Schlachtordnung, einen derFlügel an der Spitze [vornehmlich den rechten), bewegten, wobei einejede Linie eine besondere Colonne bildete, welche durch Schwenkungennach rechts oder links in der Schlachtordnung ihre Stellung einnahm.Bisweilen marschirten die Trupppen auch noch vor- und rückwärts inschachbrettährilicher Ordnung. Die Bewegungen der Armeen wurden imAllgemeinen bedeutend rascher als früher ausgeführt.

Was das Zusammenwirken der Heere in der Schlacht und Kunstder Schlachtfuhrung anbetrifft, so sind auch in dieser Beziehung grosseFortschritte sichtbar. Der Oertlichkeit wird mehr Wichtigkeit beigelegt,sie wird mehr in Erwägung gezogen und die Operationen besser derselbenangepasst. Die Artillerie spielt in den Schlachten eine sehr wichtigeRolle. Bei den Schweden sind alle drei Waffengattungen, und in denübrigen Heeren die Infanterie und Reiterei unter einander gemischt undunterstützen sich gegenseitig. Der Nutzen der Reserven ist anerkannt,