Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22 I- Dreissigjähriger Krieg.

Adolph angewandt, unter andern auch in der Schlacht bei Breitenfeld,sowie nach seinem Tode auch von schwedischen Generalen), und3) Viertheil-Brigadeaufstellung, d i. eine Abtheilung Lanzenträger vornund vier Abtheilungen Musketiere in zwei Linien, zu zwei Abtheilungenin jeder, hinten. Bei Lützen waren elf bis zwölf schwedische Compagnieneine hinter der andern aufgestellt und hatten acht Compagnien in einerLinie in Reserve. Die Brigadeaufstellung bot den Vortheil, dass siebedeutend mobiler und für den Angriff bequemer war, als tiefe Massen,und dabei wurde der Erfolg des Brigadeangriffs durch die Reserven ge-sichert. Indem Gustav Adolph es wieder aufnahm, zwischen Reiter-compagnienkleineMusketierabtheilungen zustellen, vergrösserte er dieseAbtheilungen bis auf 180, 360 und 400 Mann und gab ihnen Regiments-geschütze bei. Sowohl dazu, als auch bei besonders wichtigen Opera-tionen bildete er zusammengezogene Brigaden auserwählter Musketiere(commandirte Musketiere). Später wurde dieses in den kaiserlichen,französischen und andern Heeren nachgeahmt.

Die Infanterie feuerte, wie auch früher, reihenweise mit Rücktrittoder gab auch Salven. Gustav Adolph führte das Reihenfeuer ein, beidem die vordere Reihe oder die Lanzenträger niederknieten, währenddie hintere Reihe über sie hinweg schoss und nicht von der Stelleweichend ladete. Er wandte sogar einige Male das Rottenfeuer an.

Die Reiterei wurde wenigstens in vier, höchstens in acht bis zehnReihen aufgestellt. Gustav Adolph führte in der schwedischen Reitereieine beständige Aufstellung in drei Reihen ein und vergrösserte dadurchdie Mobilität und Schnelligkeit im Operiren derselben. Er schaffte in derReiterei das unnütze Voltigiren und dem ähnliche Schwenkungen(caracoles), sowie den Gebrauch der Feuerwaffen beim Angriffe ab;statt dessen führte die schwedische Reiterei immer die Angriffe in ge-streckter Carriere mit der blanken "Waffe in der Hand aus. In derSchlacht stellte sie sich in zwei oder mehr Linien, Compagnie hinterCompagnie, auf Compagnie-Intervalle oder schachbrettförmig auf. Bis-weilen führten einige Compagnien den Angriff in einer Linie ohne Inter-valle (en muraille) aus. Die kaiserliche Reiterei hatte bessere Pferdeund war besser bewaffnet, war jedoch schwerer und unbeholfener. Inder Folge aber verbesserte sie ihre Aufstellung wie auch Kampfart. DasFeuern war eine Hauptaction der Reiterei aller Heere mit Ausnahme desschwedischen; es sind aber auch Fälle vorgekommen, in denen siestürmisch und mit blanker Waffe angegriffen (z. B. die Reiterei Pappen-heim's). Bei den Schweden war der Dienst der Dragoner hauptsächlichein Reiterdienst, in den kaiserlichen Heeren hingegen ein Infanterie-dienst. Es ist bemerkenswerth, dass die Reiterei des Herzogs Georg vonBraunschweig-Lüneburg niemals Feuer gab, sondern immer mit der