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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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1. Militärwesen und Zustand der Kriegskunst während des dreissigjähr. Krieges. 21

Die Vermehrung der Artillerie in den Heeren vermehrte auch dieArtillerieparks und zugleich auch das Bagagewesen überhaupt.

§.5.

Die Aufstellung und Art der Bewegungen und Operationen der

Truppen.

Die Aufstellung und Art der Bewegungen und Operationen derTruppen blieben fast in derselben Lage wie früher. Die Hauptvervoll-kommnung war die Verringerung der Tiefe in der Aufstellung. In derschwedischen Armee aber bewerkstelligte Gustav Adolph eine völlig«Umwälzung in der Aufstellung, in der Art der Bewegungen und Opera-tionen der Truppen. Das Fussvolk überhaupt wurde in nicht mehr alszehn Reihen aufgestellt. Die Musketiere stellten sich in geschlossenenBotten, aber in offenen Beinen, die Lanzenträger hingegen in geschlos-senen Rotten und Reihen auf. Bisweilen griffen die Musketiere in offenenReihen an. Gustav Adolph fing an die schwedische Infanterie in sechsReihen aufzustellen, die sich zum Feuern sogar in drei Reihen stellte.Diese Aufstellung wurde nach und nach nachgeahmt und am Ende des30jährigen Krieges war sie fast allgemein. Besonders die Franzosenwaren Gegner einer tiefen Aufstellung.

Bei der Aufstellung wurden die Lanzenträger gewöhnlich im Cen-trum placirt, die Musketiere aber an den Flügeln, oder Abtheilungen derLanzenträger wechselten mit Musketierabtheilungen. Eine grosse schlag-fertige Heeresmasse wurde Tertia, Bataille, Bataillon, Escadron (Ge-schwader) benannt. Bei den Deutschen und Spaniern waren dieBataillen sehr gross, bisweilen einige tausend Mann stark, bei denFranzosen aber bestanden sie aus nicht mehr als 500600 Mann. ZweiBataillone bildeten bisweilen ein Regiment, bisweilen aber bildeten zweiRegimenter ein Bataillon oder eine Bataille. Gustav Adolph führte in dieschwedische Armee die Brigadeaufstellung ein und wandte dieselbe zumersten Male im Jahre 1630 gegen den Herzog Savelli in Deutschland an.Im Lager bei Schwedt aber vereinigte er je zwei bis drei schwedischeRegimenter in Brigaden, die sich durch die Farbe ihrer Bekleidungunterschieden. Wahrscheinlich hat er die Brigadeaufstellung, mit Bei-hehaltuug der Grundregeln derselben, mehrere Male abgeändert. Unssind drei Arten dieser Aufstellung bekannt: 1) Doppelte Brigade auszwei completen Regimentern zu 2016 Mann (1100 Musketiere und 916Lanzenträger) in fünf Linien aufgestellt, von denen die zwei letzten dieReserve bildeten und in denen die Abtheilungen der Lanzenträger mitden Abtheilungen der Musketiere vermischt waren; 2 Brigadeaufstel-lung in drei Linien, aber mit verlängerter Fronte (am meisten von Gustav