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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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20 I- Dreissigjähriger Krieg.

wurden dieselben Regimentskanonen genannt. Nach Ankunft GustavAdolph's in Deutschland erregte die schwedische Arrtillerie durch ihreLeichtigkeit und Schnelligkeit im Operiren, so wie auch hinsichtlichihrer Wirksamkeit die allgemeine Bewunderung. Aus den Regiments-kanonen wurde hauptsächlich mit Kartätschen, die bis dahin nur beiBelagerung und Vertheidigung von Festungen gebraucht wurden, ge-schossen, aus den schweren hingegen hauptsächlich mit Vollkugeln.Auch in der Taktik der Artillerie brachte Gustav Adolph eine gänzlicheUmwälzung hervor. Er gebrauchte die Artillerie sowohl in kleinen Ab-theilungen als auch in Massen, und die leichte mobile Artillerie, die beijeder Oertlichkeit allen Bewegungen der Heere folgen konnte, trugbedeutend zur Unterstützung oder Verstärkung der Operationen letztererbei- Auch in der Zahl der Geschütze übertraf die schwedische Artilleriein Deutschland ebenso bedeutend die Artillerie der Gegner, als durchLeichtigkeit, Schnelligkeit und sicheres Schiessen. So z. B. hatteGustav Adolph bei Greifenhagen 80 in eine Batterie zusammengezogeneGeschütze, bei Frankfurt an der Oder 200, bei Nürnberg 300 Geschützeverschiedenen Kalibers, beim Uebergange über den Lech aber anschweren Geschützen allein 72 Stück.

In den andern Staaten war die Artillerie auch im Vergleich zu früheretwas erleichtert, aber immer noch schwer genug und schwerfällig.Nach dem Beispiele der Schweden wurden theilweise auch bei ihnenRegimentsgeschütze eingeführt. Das bei den Deutschen, Spaniern undNiederländern schon angewandte Bombenwerfen aus Mörsern kam beiden Franzosen zum ersten Male 1634 bei der Belagerung von Lamottezur Anwendung. Der Gebrauch von Haubitzen aber war in Frankreichnoch nicht bekannt. Die Deutschen besonders zeichneten sich durch ihreArbeiten in den Laboratorien aus. Bomben, Granaten, sowohl Geschütz-ais auch Handgranaten, die sehr oft gebraucht wurden, sowie auchGlüh- und Leuchtkugeln etc. wurden bedeutend vervollkommnet.

In Heranbildung und Gebrauch der Artilleriebedienung wurdenauch grosse Vervollkommnungen gemacht. Wenngleich in Deutschlandkeine Artillerieschulen wie in Spanien und Italien waren, so unter-richteten doch besondere Meister in der Kunst des Artilleriewesens als:im Kanonengiessen, im Zielschiessen und leiteten die Arbeiten in denLaboratorien. Die Deutschen waren besonders geschickt im Bomben-werfen , indem sie solches nach mathematischen Berechnungen aus-führten. Die Artilleriebedienung bildeten Waffenschmiede und Hand-langer, die in Compagnien eingetheilt waren. Bei den Schweden bestanddie Bedienung der Regimentsgeschütze aus Musketieren. Zur Deckungder Artillerie wurden bei den Schweden Musketiere, in den kaiser-lichen Heeren aber die Reiterei gebraucht.