1. Militärwesen und Zustand der Kriegskunst während des dreissigjähr. Krieges. 19
gerten sie bei sich die Zahl der schweren Eeiterei, die leichte hingegenwurde vermehrt und vervollkommnet und ähnlich der schwedischen nurmit Kürassen, Pallaschen und Pistolen ausgerüstet.
Die Karabiniere waren im Ganzen leichter als die Kürassiere aus-gerüstet. In Frankreich waren sie Anfangs in leichte Reitercompagniengetheilt; aber Ludwig XIII. bildete ganze Karabinierregimenter, derenes im Jahre 1643 zwölf gab, die aber in der Folge aufgelöst wurden. ImJahre 1622 bewaffnete Ludwig XIII. seine Leib-Karabiniercompagniemit Musketen, wovon sie den Namen Musketiercompagnie (mousquetaires]erhielt.
Die Dragoner, Kroaten und Husaren waren noch leichter bewaffnetals die Karabiniere, und hatten gar keine Schutzausrüstung. Die schwe-dischen und andern Dragoner waren entweder mit Musketen oder Kara-binern bewaffnet, hatten aber keine Pistolen.
Die Reiterei, war in Regimenter und Compagnien (Escadronen.Kornete^ eingetheilt, aber die Stärke der Regimenter und Compagnienwar so wie beim Fussvolke eine unbestimmte und überall verschiedene.Ausserdem, in Anbetracht der schweren Beschaffung von Pferden für dieReiterei, hatten die Regimenter selten die volle Anzahl derselben. DieRegimenter der kaiserlichen Reiterei hatten die Stärke von 750 — 800Pferden, die Compagnien von 100 Pferden, bald mehr, bald weniger. Beiden Franzosen waren in den Compagnien 50, bei den Schweden 66—72Pferde. Bei den Letztern hatte ein Regiment 8 Compagnien, zusammenmit 528—576 Pferden. In der Armee des Herzogs Georg von Braunschweig-Lüneburg waren in den Reiterregimentern nicht weniger als 1000 Pferde,und ausserdem noch in Reserve Leute und Pferde zur Complerirung.
§.4.Artillerie.Während des 30jährigen Krieges fand in der schwedischen Armeeeine wichtige Umwälzung im Artilleriewesen statt. Der Urheber dieserUmwälzung war Gustav Adolph, der die schwedische Artillerie haupt-sächlich dadurch vervollkommnete, dass er sie bedeutend erleichterte,mobiler machte, den Operationen anderer Truppengattungen und zumGebrauch in den Feldschlachten anpasste. Gestützt auf früher gemachteund neue Erfahrungen, befahl er neue Kanonen zugiessen, die bedeutendkürzer uud leichter als die früheren waren. Im Jahre 1626 während desKrieges mit Polen, gebrauchte er mit grossem Nutzen, auf den Vorschlagdes Obristen Wurmbrand, lederne —Kanonen. In der Folge wurdendiese Kanonen auf Vorschlag des Grafen Hamilton durch leichte, mitzwei Pferden becpiem fortzuschaffende Vierpfünder ersetzt. Jedem Regi-inente waren zwei solcher Geschütze beigegeben, und von der Zeit an