16 I. Dreissigjähriger Krieg.
insofern, weil in dieser Periode der Grund zu einer neuen, ganz abwei-chend von der alten, gelegt wurde. In allen Zweigen der taktischenOrganisation der verschiedenen Truppengattungen waren bedeutendeund wichtige Vervollkommnungen gemacht worden. Alle diese Vervoll-kommnungen gingen von der schwedischen Armee aus, und der Haupt-urheber derselben war Gustav Adolph.
Das Fussvolk bestand wie früher aus Lanzenträgern und Muske-tieren ; aber die Zahl der ersten wurde nach und nach verringert bisauf '/ 2 und gegen Ende des Krieges sogar bis auf l / 3 des ganzen Fuss-volkes, die der letzteren aber vergrössert bis auf i / 2 und gegen Ende desKrieges auf 2 / ;i der ganzen Infanterie. Die Ursachen dazu waren eines-theils die allzu schwere und theure Bewaffnung der Lanzentruppen, diesie nicht vor der Wirkung der Feuerwaffen schlitzte, anderntheils derDienst der Musketiere selbst, der mehr Gelegenheit zur Bereicherung durchBaub und Plünderung bot, weil die Musketiere den Dienst der leichtenTruppen hatten. In der schwedischen Armee verringerte Gustav Adolphdie Zahl der Lanzenträger bis auf i /- l der ganzen Infanterie. Bei weitenund schnellen Märschen liess er sogar die schwere Armirung der Lanzen-träger ganz zurück, und im Jahre 1631 formirte er ganze Musketier-regimenter. Dem dreissigjährigen Kriege verdanken auch die Jäger undeinigermassen die Grenadiere ihren Ursprung. Im Jahre 1631 hatte derLandgraf Wilhelm von Hessen 3 Compagnien und der Kurfürst vonBaiern im Jahre 1645 3 Jägerregimenter, welche zum Vorpostendienstund zum kleinen Kriege verwandt wurden. Den Ursprung der Grena-diere leitet man von dem Umstände her, dass die Schweden, im Jahre1634 in Regensburg belagert, denjenigen Infanteriesoldaten, die Hand-granaten zu werfen bestimmt waren, das Gehalt den anderen Truppengegenüber erhöhten. Bei den Franzosen aber wurden die Grenadierespäter unter diesem Namen eingeführt.
In der Armirung der Infanterie traten grosse Veränderungen ein,besonders bei den Schweden und Franzosen. Die Arkebuse*) wurdeüberall durch die Muskete ersetzt, aber letztere war so schwer, dass ausderselben nicht anders gefeuert werden konnte, als dass man .das Ge-wehr auf eine Gabel (furquete) oder ein Untergestell legte. Ausserdemwaren die Musketen mit Luntenschlössern versehen. Gustav Adolph er-leichterte bedeutend die Musketen, schaffte die Gabel oder Untergestelleab, gebrauchte, wenn auch wenig, die Musketen mit Radschlössern, undim Kriege mit Polen zugespitzte Pfähle, welche vor der Infanterie in dieErde gesteckt wurden, und hinter welchen die Musketiere auf die polni-sche Reiterei feuerten. Die Lanzenträger hatten ausser den 16—18 Fuss
*j Hakenbüchse.