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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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1. Militärwesen und Zustand der Kriegskunst während des dreissigjähr. Krieges. 15

kriegsbereit waren. Ausserdem war eine berittene und eine Landwehrzu Fuss, die vom Volke erhalten wurde und für den Dienst innerhalb desLandes, zur Vertheidigung desselben und zur Completirung der Feld-truppen bestimmt war. Die Städtebewohner hatten auch ihre besondereMilitärorganisation. Endlich bestanden noch Institutionen zurBewaffnungdes Volkes Mann für Mann in äussersten Fällen. Die Artillerie, sowohldie Feld-als auch Festungsartillerie, die Vorraths-Niederlagen, Artillerie-Parke etc. zeichneten sich durch ihre grosse Menge, als auch ihre guteEinrichtung aus.

In Dänemark, einem kleinen Staate mit einer starken feudalenRitterschaft, konnte das Militärwesen keine bedeutende Entwickelungerlangen. Das erste ständige Militär in Dänemark war, wie man ver-muthct, von Christian IV. im Jahre 1615 aus 5000 Staatsbauern ge-bildet.

Durch die Bemühungen Heinrich's IV. und Sully's hatte Frankreiches dahin gebracht, dass im Jahre 1610, vor dein Tode Heinrich's IV., dieFinanzen und Militärorganisation sich in gutem Zustande befanden.Ständiger Truppen waren circa 14,000 Mann, die im Nothfalle bis auf50,000 Mann (darunter 10,000 Mann Beiterei) mit 50 Geschützen, ver-mehrt werden konnten. Der Unterhalt dieser Truppen kam der Regie-rung ziemlich billig zu stehen. Unter Ludwig XIII. am Anfange des30jährigen Krieges standen schon zwei Mal so viel Truppen in Sold(gegen 28,000), und der Unterhalt derselben kostete vier Mal mehr.Späterhin wurde das Militärwesen Frankreichs durch den CardinalRichelieu bedeutend verbessert. Er brachte Ordnung in dasselbe, sowieüberhaupt in die innere Verwaltung des Reichs und vergrösserte die Zahlder ständigen Truppen.

§.2.Taktische Organisation der Truppen im Allgemeinen und der Infanterie

insbesondere.

Wenn das Militärwesen in den europäischen Staaten im Allgemeinenfast in demselben Zustande wie vorher verblieb, so wurden in der tak-tischen Organisation der Truppen grosse Fortschritte gemacht. Dieersten Vervollkommnungen am Ende des 16. und am Anfange des 17.Jahrhunderts sind den Niederländern, Spaniern und Franzosen und be-sonders den Prinzen Wilhelm und Moritz von Oranien, Spinola, Hein-rich IV. und Coligny zu verdanken, ihre weitere Vervollkommnungwährend des 30jährigen Krieges hat sie hauptsächlich Gustav Adolph zuverdanken. Somit hat die ganze Periode des niederländischen und deut-schen Krieges, die fast hundert Jahre in sich schliesst (1568 1648 ,eine hohe Bedeutung in der Geschichte der Entwickelung der Kriegskunst