1. Militärwesen und Zustand der Kriegskunst während des dreissigjähr. Krieges. 17
langen Lanzen und die Musketiere ausser der Muskete noch lange Pal-lasche und trugen Helme, die ersten aber waren noch ausserdem mit Brust-harnischen und Armschienen versehen. Gustav Adolph schaffte die Lanzenab und bewaffnete die Lanzenträger mit Hellebarden von 11 Fuss Länge.
Zu gleicher Zeit als die Musketen leichter gemacht wurden, wurdenauch zuerst in der schwedischen, dann in der französischen und schliess-lich auch in den anderen Infanterien, Patronen mit Papierhülsen einge-führt, die hinten in lockern Patrontaschen getragen wurden.
Bald nach Gustav Adolph's Tode wurden in Frankreich das Bajonetund Flintenschlösser mit Feuersteinen eingeführt. Da erhielten die Mus-keten mit solchen Schlössern die Benennung Flinten (fucile, fusil), unddie mit solchen Gewehren bewaffneten und in nicht grosser Anzahl unterdie Musketiere vertheilten Soldaten wurden Füsiliere genannt. DasBajonet wurde zuerst auf einen Holzpflock, der in den Lauf der Flinteoder Muskete hineingesteckt wurde, gesetzt. Das Bajonet kam zuerstin den Niederlanden unter den leichten Truppen beim Vorpostendienstzur Anwendung.
Die Infanterie wurde überall in Regimenter und Compagnien ein-geteilt. Die Stärke der Regimenter und Compagnien war eine un-bestimmte, eine sehr verschiedene und wurde oft abgeändert. SeitMaximilian's IL und Rudolph's IL Zeiten bestanden die Regimenter inOesterreich grösstentheils aus 10 Compagnien zu 300 Mann jede (150Lanzenträger und 150 Musketiere), im Ganzen 3000 Mann im Regimente(1500 Lanzenträger und 1500 Musketiere). In Frankreich bestanden dieRegimenter aus 10—12 Compagnien zu 200 Mann jede , im Ganzen2000—2400 Mann im Regimente. In Schweden bestanden Anfangs dieRegimenter aus 2-1 Compagnien, jede wenigstens 150 Mann activer Sol-daten und 24 Mann Reservisten (passe volante), welche nur im Dienstgezählt und in Nothfällen einberufen wurden. Somit bestand ein Regi-ment aus 3600 Mann activer und 576 Reservesoldaten. Ein Regimentwurde von einem Obrist, und je 4 Compagnien von einem Capitain be-fehligt. Späterhin bestanden die schwedischen Regimenter aus 8 Com-pagnien jede zu 144 Mann activer Soldaten (54 Lanzenträger und 72Musketiere) und 18 Mann Reservisten, im Ganzen im Regimente 1142Mann activer und 144 Mann Reserveleute. Die deutschen und englischenRegimenter Gustav Adolph's bestanden aus 10 bis 12 Compagnien zu 150Mann jede, im Ganzen 1500 bis 1800 Mann. Die Stärke der Landwehr-regimenter war nicht gleich, sondern hing von der dichtem oder dünnernBevölkerung derjenigen Bezirke ab, in denen die Regimenter ausge-hoben wurden. In den deutschen Heeren war die Stärke der Regimenterund Compagnien verschieden, aber mehr oder weniger der Stärke derRegimenter und Compagnien in den kaiserlichen Heeren gleich. In der
Galitzin , Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. 2