14 I. Dreissigjähriger Krieg.
Die Militärorganisation Schwedens in dieser Zeit macht eine be-merkenswerthe Ausnahme. Schon im 16. Jahrhunderte legten dieschwedischen Könige einen festen Grund zum Militärwesen. Gustav II.Adolph hat dasselbe bedeutend verbessert und Schweden war das Mustereines Staates, dessen Streitkräfte hauptsächlich aus nationalen Truppenund nur theilweise aus ausländischen Söldnern bestanden. Sie warenaus ständigen, regelmässig organisirten, vom Staate unterhaltenen Feld-truppen und aus der Landwehr oder Miliz, die vom Volke unterhaltenwurde, zusammengesetzt. Erstere wurde zum Dienst ausserhalb desStaates und Letztere, zur Vertheidigung des Landes, zum Dienst inner-halb des Landes und zur Completirung der Feldtruppen verwandt. DieTruppenaushebung geschah regelrecht nach Bezirken, auf Grundlage be-sonderer Verordnungen, nach Anzahl der Baucrhöfc, hauptsächlich aberMann für Mann unter der Bevölkerung vom Alter über 15 Jahre an. Dieschönste, neue, nur Schweden eigene Einrichtung Gustav Adolph's aberwar die, dass jeder Soldat überhaupt ein bestimmtes Areal an Landbesass, dieKeiterei aber und die Chargen jedes Regimentsstabes ausser-dem noch Höfe als Wohnort und einige zum Grund und Boden gehörigeEinkünfte zu ihrem Unterhalt und ihrer Ausrüstung inne hatten. DieLandwehr bestand aus 8 Reiter- und 20 Fussvolk-Regimenter. Sie warin den Bezirken vertheilt, aus welchen die Leute ausgehoben und indenen sie einquartirt und unterhalten wurden. Die Landwehr wurdesorgfältig einexercirt, jährlich durch, eine bestimmte Anzahl Leute com-pletirt, war von Abgaben befreit, hatte verschiedene andere Dispensa-tionen und Vorzüge u. s. w. Da nun aber Schweden sehr dünn bevölkertwar und auf diese Weise nicht mehr als 15,000 Mann, bisweilen auch12,000, ja sogar nur 7000 und 6000 Mann, aufgebracht werden konnten,so hatte Gustav Adolph ausser den schwedischen Nationaltruppenauch geworbene, gemiethete ausländische Truppen (deutsche und eng-lische) . Die verschiedenen Staaten des deutschen Reiches hatten einein der damaligen Zeit allgemeine Militärorganisation. Den ersten Platzunter den deutschen Truppen überhaupt und den katholischen insbeson-dere nahmen die kaiserlichen und nach ihnen die baierischen Truppenein. Von den protestantischen Truppen waren die besten: die sächsi-schen, hessischen und braunschweig-lünebnrgischen. Besonders be-merkenswerth ist die vom Herzoge Georg, einem ebenso erfahrenenKriegsinanne, als auch geschickten Administrator, nach schwedischemMuster eingeführte ausgezeichnete Militärorganisation des HerzogthumsBraunschweig-Lüneburg. Dieses Herzogthum hatte 4500 Mann Reitereiund 10,000 Mann Fussvolk. im Ganzen 14,500 Mann beständiger gutorganisirter Feldtruppen, theils braunschweig - lüneburger, theils aus-ländischer, die nicht immer ganz unterm Gewehr standen, aber immer