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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Kurze Üelbersicht des Militärwesens der europäischen

Staaten und Zustand der Kriegskunst während des

dreissigj ährigen Krieges.

§. 1.

Das Kriegswesen der europäischen Staaten überhaupt und Schwedens

insbesondere.

Die aus der Feudalzeit überkommene bedeutende politische Zer-fahrenheit der europäischen Staaten, die noch nicht ganz fest stehendemonarchische Macht, die zerrütteten Staatsfinanzen, waren die Ursache,dass das Kriegswesen in den europäischen Staaten überhaupt, im Laufedes 30jährigen Krieges fast in demselben Zustande wie am Ende des16. und am Anfange des 17. Jahrhunderts sich befand. Schwedenausgenommen, hatte kein einziger Staat eine geregelte und dabei natio-nale Militärorganisätion. Beständiger und regelrecht organisirter Trup-pen, die auch in Friedenszeiten gehalten wurden, gab es sehr wenige,und selbst diese dienten grösstentheils als Leibwache der Herrscher. InKriegsfällen wurden die Heere entweder durch willkürliche Conscriptionoder durch Zusammenberufung einer volksthümlichen Miliz, hauptsäch-lich aber und überall durch freiwillige (bisweilen aber durch gezwungene)Anwerbung von Söldnerschaaren zusammengebracht. Letztere bestandenaus Leuten verschiedener Nationen und Stände, die den Kriegsdiensthandwerksmässig betrieben, da derselbe ihnen nicht nur die Mittel zurExistenz, sondern auch zur Bereicherung bot. Die auf diese Weise zu-sammengebrachten Truppen wurden nach Beendigung des Krieges ent-lassen. In einigen besonders grössern Handels- und freien StädtenDeutschlands hatten sich noch die frühem Stadttruppen erhalten; dieBürger bildeten die Stadtwache, die in Kriegszeiten die Stadt verthei-digte, in Friedenszeiten aber die Ordnung aufrecht erhielt.