826 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj übrigen Kriege etc.
die Lage und Verhältnisse ihrer Untergebenen einzuziehen und möglichstviele Vorräthe aller Art vorzubereiten, sodass während des Zuges anNichts Mangel eintreten könne und Keiner um dieser Ursache willen vonden Truppen wegbleibe (woraus hervorgehen dürfte, dass die Truppeneinen Theil ihrer Proviant- und sonstigen Vorräthe auf den Handpferdenmit sich führten). Hiervon unabhängig ordnete er an, dass hinter demHeere mehrere tausend Wagen mit Getreidekorn zur Aussaat an geeig-neten Stellen an dem eingeschlagenen Wege mitgenommen würden, da-mit bei dem Rückwege .das Heer sich um so besser verpflegen könne.Ausserdem Hess er für eintretende unvorhergesehene Fälle hinter demHeere 1000 trächtige Kameeistuten hertreiben, um im äussersten Falledas Heer mit der Milch von denselben versorgen zu können. Mit einemWorte, — ungeachtet der dürftigen Nachrichten, welche wir über dieVorbereitungsmassregeln Timur's für diesen Feldzng besitzen, kannman doch mit Sicherheit annehmen, dass nach den Erfahrungen von 40Kriegsjahren in Asien Timur Nichts versäumte, um den Erfolg eines soweiten und so mühsamen Feldzuges auf alle Weise sieher zu stellen.
Am 8. Januar 1405 seine Grosse Fahne entfaltend ritt er aus Samar-kand aus und setzte trotz der Strenge des Winters den Marsch unaufhalt-sam fort, seine Nachtlager inmitten der Steppe in einem von Schilf um-gebenen Zelte aufschlagend. Bei der Stadt Zernuk ging er über denSyr-Darja, der fest zugefroren war. Der Winter war so kalt, dass nachden Worten Schereff-Eddin's das Eis an dieser Stelle 2 — 3 Ellendick war und die Flüsse Syr- und Amu-Darja überall auf dem Eise pas-sirt werden konnten; der Schnee lag zwei Lanzen hoch; durch Kälte undSchneegestöber kamen viele Menschen und Pferde um.
Am 27. Februar traf Timur in Otrar ein, von wo er den Zug weiternach China fortzusetzen beabsichtigte, er hatte den Truppen schon Be-fehl gegeben den Marsch anzutreten, sich von seinen Weibern und Töch-tern verabschiedet, die er nach Samarkand zurückschickte.
Da erkrankte er plötzlich am Fieber und starb am 1. April 1405.
ohne seinen Zug nach China eigentlich begonnen zu haben..... Und
mit seinem Tode, wie fast bei allen asiatischen Eroberern, brachen alleseine in 40 Jahren vollbrachten Eroberungen, das ganze von ihm ge-gründete ungeheure neue mongolische Reich zusammen, fielen auseinan-der und geriethen in dieselbe Verfassung, in welcher sie sich vorherbefunden hatten. Wie auch nach Dschingis-Khan, blieb nur der furcht-bare Name Timur's und das Gedächrniss seiner 40jährigen Kriegs-thaten in Asien, verknüpft mit der schrecklichen Verwüstung und Aus-saugung der reichsten Länder und den Strömen von Blut in der Ge-schichte bestehen, — aber auch das unzweifelhafte Anrecht Timur's aufden Namen eines grossen Mannes, Regenten und Feldherrn. In