Kriege und Feldzüge Timur-Leng's oder Tamerlan's (1359—1405). 823
schlössen sich zu vertheicligen. Am 6. Dezember schloss Timuv dieseStadt ein, begann die regelmässige Belagerung auf verschiedenen Seiten,«rbaute Belageruugs-Maschinen und konstruirte Geschütze zum Schleu-dern von grossen Pfeilen, Steinen und griechischem Feuer. Um aberzur Stadt nicht von der Seeseite aus Hülfe gelangen zu lassen, befahl erauf dem Wasser auf Bocksfellen eine Dielung herzustellen und Krieger,•durch grosse Schilde geschützt, darauf zu stellen, welche Niemanden indie Stadt einlassen sollten. Die Belagerten vertheidigten sich so stand-haft, dass selbst dann, als die Mauern und Thürme der Stadt schon zer-schossen waren, sie nicht aufhörten, grosse Pfeile, Töpfe mit brennendemNaphta und griechischem Feuer zu schleudern. Nun Hess Timur eineMine unter der Mauer graben und inzwischen fortwährend Sturm dagegenlaufen, jedesmal mit frischen Truppen, welche die Stürmenden ablösten.— denn sein Heer war zahlreich genug. Endlich, als die Mine fertigwar, füllte man sie mit in Naphta getauchten Faschinen, die man an-zündete ; die Mauer stürzte ein, die Belagerer drangen in die Bresche,die Stadt war nach zweimonatlicher nachdrücklicher Belagerung undverzweifeltem Widerstände genommen, wurde ausgeplündert und dannden Flammen übergeben, die Bewohner getödtet.
Hiernach kehrte Timur, trotzdem er 7 Jahre für den Krieg im We-sten bestimmt hatte (s. oben) merkwürdiger Weise nach dem Osten zu-rück, und zog über Karahissar (27. März 1403), Kesarieh, Siwas, Er-zerum und Kars abermals nach dem ihm verhassten G-rusien, es zuverheeren. Er drang bis Abchasien darin vor. indem er Strassen durchdie Wälder schlug, die Festungen einnahm und zerstörte, die christlichenEinwohner vertilgte, sie gleich wilden Tbieren in die Gebirgs-Schluch-ten, in Höhlen und auf hohe Felsen verfolgte, auf welche seine Kriegerin eigens dazu erbauten Kasten an Seilen gezogen wurden. Aus Abcha-sien wendete sich Timur nach Karaby, und von da Hess er sein Heernach Ueberschreitung des Araxes (Aras) über Ardebil, Sultanieh (wo eram 13. Mai eintraf), Kasbin, Demawend und Firuzkuch, welches er imVorbeiziehen erstürmte, auf Samarkand zurückkehren. Von hier schickteer Theile seines Heeres und die schweren Fahrzeuge auf verschiedenenWegen in ihre Heimath, er selbst kehrte nach Ausführung einer beson-dern Expedition zur Unterwerfung des südlichen und östlichen Küsten-gebietes des kaspischen Meeres über Nüschapur und Termed (Termez)Ende Juni 1402 nach Samarkand zurück.
§. 234.Rüstungen zum Feldzuge gegen China (1403—05).Nicht lange jedoch verweilte Timur, bereits ein 70jähriger Greis,in seiner Residenzstadt: kaum dahin zurückgekehrt, begann er schon zu
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