Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
822
Einzelbild herunterladen
 

822 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Serben, Stephan (nach Andern Lazar selbst) die Schlacht bereitsverloren sehend, rieth B a j a z i d sich durch die Flucht zu retten, aberB a j a z i d verwarf diesen Rath mit Unwillen und war entschlossen mitden Janitscharen nicht von der Stelle zu weichen und bis aufs Aeusserstezu kämpfen. Nun entschlossen sich Lazar, Stephan und andereserbische und türkische Truppenführer sich von B aj azid zu trennen undden Rückzug seines ältesten Sohnes Suleiman nach Brussa zu decken.Der zweite Sohn Baj azid's, Muhammed floh mit den Reserven nachNordosten ins Gebirge, und der dritte, I s a, nach Süden. Nun schloss-Timur, um durch einen letzten entscheidenden Schlag den Sieg undden Krieg zu entscheiden, Baj azid von allen Seiten ein, nachSchereff-Eddin's Ausdruck »wie die Jäger auf der Jagd ein Wildumstellen, einen grossen allgemeinen Kreis bildend«. Von seinen Söh-nen, Befehlshabern, Verbündeten und Truppen verlassen, wehrte Ba-jazid sich bis zur Nacht noch allein mit den Janitscharen. Letztereaber, vor Ermüdung und Durst ganz kraftlos, sanken unter den Strei-chen der an Zahl weit überlegenen Mongolen nieder, und als gegen dieNacht hin nur noch Wenige derselben übrig waren, entschloss Baj azidsich endlich zu fliehen, aber sein Pferd stürzte und er wurde nebst seinerSuite gefangen genommen und vor Timur geführt*).

Mit der Verfolgung der Söhne Baj azid 's beauftragte Timur sei-nen Enkel Muhammed nebst 30000 Mann Reiterei. Muhammed ver-folgte den Suleiman so rasch, dass etwa 4000 von seinen Reitern am5. Tage schon in Brussa eintrafen, wo Suleiman gerade noch auf einSchiff entkommen und vom Ufer abstossen konnte, ohne irgend etwasmit sich zu nehmen. Alle Schätze Baj azid's und sein ganzer Haremfielen in Timur's Hände, welcher nach diesem entscheidenden und glän-zenden Siege einen ganzen Monat lang sein Heer in der Stadt Kjütahiabewirthete und feiern Hess.

Die Folge des Sieges bei Angora war die Aussaugung Klein-Asiens,die Einnahme seiner Städte und Festungen, welche sich fast ohne Wi-derstand ergaben, und die Ausrottung eines grossen Theiles der Ein-wohner , die Wenigen ausgenommen, welche ihr Leben durch grosseGeldsummen erkauften. Nur die Christen der Stadt Smyrna waren ent-

*) Die Schriftsteller erzählen hierbei, dassTirnur beim Anblick Baj azid'sgelächelt habe, und als dieser ihm bemerkte, dass es unschicklich sei über das Un-glück zu lachen, habe Timur gesagt: «Augenscheinlich schätzt das Schicksal dieMacht und die Herrschaft über weite Keiche nicht hoch, die sie an Krüppel ver-leiht, an dich den Einäug igen, und an mich den Lahmen«. Doch das istwohl erfunden: Timur war immer ernst und liebte es nicht zu scherzen, (Iwanin,.S.229). Ausserdemist bekannt, dass er anfänglich Baj azid's Würde und Unglückehrte und achtete und erst in der Folge, als dieser entfliehen wollte, ihn in strengereHaft nahm.