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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriege und Feldzüge Timur-Leng's oder Tamerlan's (13591495). 817

die Strasse nach Tokat durch die Wälder ging, dass die Passage durchdieselben eng sei, dass türkische Truppen sich in bedeutender Stärke inder Umgehung dieser Stadt gezeigt hätten, und dass alle Uebergängeüber den Kisil-Irmak besetzt wären. In Folge dessen beschloss T i mu r,die Feindseligkeiten nicht in solchem Terrain zu eröffnen, da seineHauptkräfte aus Reiterei, die Bajazid's aus Infanterie bestanden. Daer aber die Absicht hegte, Bajazid's Verbindungen mit Aegypten, Sy-rien und Bagdad abzuschneiden, ihn in die offenen Ebenen zu locken undden Kisil-Irmak an einer Stelle zu überschreiten, wo keine türkischenTruppen sich befanden, so rückte er nach Cäsarea, wo er sechs Tagedarauf eintraf. Nachdem er hier grosse Proviant-Vorräthe zur Vertkei-lung an die Truppen angesammelt hatte, wendete er sich gegen dieFestung Angora (das alte Ancyra). Nach vier Tagen traf er bei der StadtKirschegr ein, indem er in dieser Zeit 120 Werst zurückgelegt hatte.Als er hörte, dass Bajazid mit seiner Armee ihm entgegen rücke, be-fahl er die gewöhnlichen Vorsichtsmaasregeln gegen plötzliche Ueberfälleanzuwenden, um aber die Bewegungen Bajazid's zu beobachten undgenauere und eingehendere Nachrichten über seine Absichten und Ver-halten zu erlangen, schickte er 1000 Mann Reiterei aus. In dieser Zeitberief er einen Kriegsrath und erklärte am Schluss der Berathung dasshinsichtlich der Operationen gegen den Feind zwei Meinungen be-ständen: die eine auf der Stelle zu verbleiben, dem Heere Ruhe undZeit zur Retablirung nach den bestandenen und ermüdenden Märschenund Strapazen zu geben, die andere mit allem Nachdruck in dasfeindliche Gebiet mitten hinein zu dringen, es zu verwüsten, die TruppenBajazid' s der Mittel zum Unterhalte zu berauben, sie durch den klei-nen Krieg und häufige Angriffe vereinzelter Corps zu ermüden, währenddessen aber mit den Hauptkräften stets ausweichend den Feind zu eili-ger Verfolgung zu nöthigen und dadurch seine Truppen zu ermatten;und da des Gegners Truppen hauptsächlich aus Infanterie, die eigenenaus Cavallerie beständen, so würden Letztere bei dieser Art von Krieg-führung stets die Oberhand haben und es ihnen möglich sein, die Abthei-lungen des Gegners lediglich durch den kleinen Krieg aufzureiben, ohneentscheidende Schlachten zu schlagen. Timur fügte hinzu, dass er derzweiten Meinung beitrete, woraus deutlich hervorgeht, dass er seineBerechnungen und Pläne auf die Kenntniss von dem heftigen CharakterBaj azid's baute, von dem er im Voraus wusste, dass er solche Art desKrieges nicht lange aushalten, sich zu Fehlern verleiten lassen und eineSchlacht liefern werde in einem Terrain, wo T i m u r' s Reiterei eine ent-schiedene Ueberlegenheit Über das Fussvolk Baj azid's haben musste.An Streitkräften und speziell an Reiterei bedeutend überlegen, war esTim ur von vornherein gelungen, sich der wichtigsten Punkte zu bemäch-