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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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818 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

tigen und einen Theil seiner Kräfte zur Besetzung und Vertheidigungder Wasser- und Lebensmittel-Vorräthe zu entsenden. Er hatte sehr guteingesehen, dass esBajazid hingegen ausserordentlich schwer fallenmüsse, sein zahlreiches, besonders aus Fussvolk bestehendes Heer zuverpflegen, und dass es binnen Kurzem erschöpft und geschwächt nachAufzehrung seiner Vorräthe gezwungen sein werde, seine Rettung imRückzuge zu suchen, während dessen er, Timur, heftig verfolgend, Ge-legenheit finden musste, dasselbe mit günstiger Chance anzugreifen undzu überwältigen.

Auf Grund aller dieser Erwägungen brach Timur nach Angora aufum auf der Verbindungs-Linie Bajazid's mit dessen asiatischer Haupt-stadt Brussa zu stehen. Da er eine zahlreiche und vortreffliche Reitereibesass und in ziemlich ebenem und offenem Terrain marschirte, so riskirteer wenig, indem er seine eigene Verbindungs-Linie aufgab, brachte aberBajazid in eine gefährliche Lage. Ueberhaupt verdient dieser MarschTimur's besondere Aufmerksamkeit und Billigung, denn er zeugt nachEntwurf und Ausführung von besonderem Geschick: Um ihn rasch unddoch so zu vollbringen, dass seine Truppen nicht des Wassers ermangelten,schickte er ein Reiter-Corps nebst einem Theile Fussvolk in der Richtungauf Angora voraus, um an den Stellen, wo es nöthig wurde die Pferdezu tränken und doch an Wasser fehlte, Brunnen zu graben. Als diesausgeführt war, brach Timur, unter Zurücklassung eines Theils seinerTruppen im Lager, um dadurch seine Bewegung besser zu verbergen,so rasch nach Angora auf, dass er in drei Tagen etwa 150 Werst zurück-legte. Bei Angora angelangt, belagerte er es am anderen Tage,leitete das Wasser aus dem diese Festung durchströmenden Flusse abund begann die Mauer zu untergraben und sich zum Sturm zu rüsten.

Während der Belagerungs-Arbeiten erfuhr er, dass Bajazid heran-nahe und ihm in den Rücken zu fallen beabsichtige. Das beunruhigtejedoch Timur nicht, erschien es vielmehr zu wünschen und zu er-warten. Da er die Ueberlegenheit der Kräfte auf seiner Seite hatte, sofürchtete er die Schlacht nicht, sondern wollte sie nur in einem für ihngünstigen Terrain liefern, in welchem seine Cavallerie, im Fall derNiederlage, ohne grosse Verluste sich zurückziehen und bequem sichvon Neuem auf ihre Verbindungslinie setzen konnte, der Feind dagegen,im Fall er von Timur besiegt wurde, dem unvermeidlichen Untergangegeweiht war.

Es ist nicht ganz sicher, ob Timur dazu kam, indem waldigenLandstrich den kleinen Krieg zu führen, wie er anfangs die Absichtgehabt hatte; daraus, dass er östlich von Angora dem Bajazid eineSchlacht zu liefern beschloss, kann man vielleicht schliessen, dass ersich von der Erschöpfung der Streitkräfte seines Gegners überzeugt hatte.