816 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
massigen Wein-Genusses bekannt war, was ihm viele »Rechtgläubige«entfremdete. Ausserdem aber hatte Timur auch einen ganz plausibelnVorwand zur Kriegs-Erklärung anBajazid: er forderte von ihm dieHerausgabe einiger zu ihm entflohenen Fürsten von Klein-Asien, welcheunter Timur's Botmässigkeit standen, und besonders des TurkmenenKara-Jussuf, welcher die Karawanen von Mekka und Medina ge-plündert hatte und gegen den schon viele zu diesen beiden Städten zie-hende Pilger Schutz bei Timur erbeten hatten.
Deshalb zog, als er von den Kriegs-Rüstungen Bajazid's hörteund erfuhr, dass derselbe Truppen-Corps nach Aleppo, Edessa (Ruba)und Diarbekr schicke, Timur seine Truppen nach Klein-Asien.
Die Entsendung von Truppen zu den genannten drei Städten scheintzu beweisen, dass B a j a z i d noch nicht die Hoffnung auf die Hülfe desaegyptischen Sultans verloren hatte, vielleicht auch erwartete, dass seineAnnäherung an Bagdad dort einen Aufstand zu seinen Gunsten hervor-rufen werde. Und wenn Tim ur gezwungen wurde, den Kriegsschauplatzin den südlichen Theil von Klein-Asien zu verlegen, so konnten in derThat bei dem geringsten ihn betreffenden Missgeschick sich die Hoff-nungen Bajazid's wohl erfüllen. Timur aber, als geschickter Feld-herr, verstand es, indem er von Grusien aus den Rücken von Baj azid' sHeer bedrohte, das Kriegs-Theater im Gegentheil mit Erfolg in den nörd-lichen Theil von Klein-Asien zu verlegen.
Am 27. April den Fluss Kur überschreitend, rückte er mit seinemHeere nach Bardu, Gendsheh, Alatak, nahm im Vorbeigehen die FestungTartum, zog von da auf Avenik und Erzerum, drang in die nördlichenklein-asiatischen Besitzungen Bajazid's ein, nahm die ihm gehörendeFestung Kemak und bezog ein Lager in der Gegend von Siwas. Hierhielt er in Gegenwart von Bajazid's Gesandten eine Revue über seinHeer ab, dessen Unterfeldherren ihre Bereitwilligkeit erklärten, ihm Al-les zu opfern und einen Eid schworen, »Alles in den Ländern seinerFeinde zu vernichten, Anatolien zu plündern und die Herrschaft der Otto-manen von Grund aus zu zerstören«. Nach dieser Erklärung und Eidlei-stung, welche die Gesandten B aj a z i d's mit anhören mussten, führte mansie durch die zahlreichen Reihen der Truppen, deren kriegerisches Aus-sehen, deren vortreffliche Bewaffnung und Disziplin, deren ungewöhnlicheOrdnung, wie die Geschlossenheit und Schnelligkeit ihrer Bewegungenund Evolutionen, welche Timur absichtlich den Gesandten Bajazid'szeigte, auf diese einen tiefen Eindruck machen und ihnen eine hoheMeinung von den Streitkräften Timur's beibringen mussten. Dies Allesbeweist, in wie hohem Maasse Timur es verstand, jede geeignete Gele-genheit zu benutzen, um auf die Menschen einzuwirken.
Inzwischen hatten seine Avant-Garden-Corps ihm gemeldet, dass