Kriege und Feldzüge Timur-Leng's oder Tamerlan's (1359—1405). 81 5
Mit der Wegnahme dieser beiden Festungen sich einstweilen be-gnügend und durch Schriftwechsel B aj a z id stets weiter beschäftigend,wendete T i m u r seine Waffen nach Syrien, weil der aegyptische Sultan,der es beherrschte, ziemlich mächtig war, in engem Bündniss mit B aj a-zid stand und im Fall eines Krieges zwischen diesem und Timur demLetzteren in Flanke und Kücken gefährlich werden konnte, was Timurals geschickter Feldherr natürlich vorhersah und nicht zulassen wollte.
Nach Einnahme und Plünderung der Hauptstadt von Syrien, Damas-kus, nachdem er den Sultan von Aegypten in die Flucht geschlagen undSyrien unterworfen hatte, zog Timur auf Mosul und von da auf Bagdad,dessen Beherrscher zwar seine Oberhoheit anerkannte, aber sich lossagenkonnte, wenn etwa Baj azid Erfolge errang. Deshalb nahm Timur un-ter dem Vorwande eines Aufstandes der Bewohner von Bagdad nach drei-monatlicher Belagerung diese Stadt ein, vernichtete die Kriegsmittel der-selben und zerstörte die Burg der Citadelle.
So hatte in geschickter Weise noch vor Beginn des Krieges gegenB aj azi d sich Timur schon Flanke und Bücken gedeckt, und in Erwar-tung des definitiven Bruches mit B a j a z i d zog er abermals nach Grusien,um die kriegerischen Gebirgsvölker dieses Landes zu bändigen.
Seine Fortschritte in Syrien erweckten bei Bajazid Kummer undBedenken, es schien, als wünsche er den Krieg mit solchem gefährlichenGegner wie Timur zu vermeiden. Aber seine Herrsch- und Eroberungs-Sucht erkennend und einsehend, dass den Ansprüchen desselben sichgar keine Grenzen ziehen Messen, begriff er, dass ein weiteres Nachgebenseinerseits nur neue Beleidigungen für ihn zur Folge haben würde, —und so entschloss er sich endlich zum Kriege.
Aus den angeführten, dem Kriege vorhergehenden MaassnahmenTimur's ist ersichtlich, dass er die Verbindungen und den Briefwechselmit Bajazid nur deshalb anknüpfte, um ihn besser zu begreifen, seinenCharakter, seine Streitkräfte, Zusammensetzung und Eigenschaften sei-nes Heeres, die Art seiner Kriegführung u. s. w. kennen zu lernen, undzugleich, während er ihn durch seine Schreiben und Gesandtschaftenhinhielt, seine eigenen (Timur's) Angelegenheiten in West-Asien zubetreiben, die Verbündeten von Baj azid abspenstig zu machen oder zuschwächen, um im Fall des Misslingens ungefährdet den Bückzug an-treten zu können, — zugleich auch hinter seinem eigenen Bücken Vor-räthe von Lebensmitteln aufzuhäufen und dadurch sich selbst die Freiheitder Bewegung und die Gefahrlosigkeit eines Rückzuges in jeder ihmnöthig scheinenden Richtung zu gewährleisten. Den Krieg konnte erohne Bedenken an B aj a zi d erklären, weil dieser »Haupt und Beschützerder Rechtgläubigen« bei ihnen in keinem besonderen Ansehen stand, viel-mehr wegen seiner Grausamkeit, Geizes, Lüderlichkeit und seines un-