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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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814
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814 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

§. 233.Feldzug gegen Bajazid I. (1402).

Im Mai 1399 nach Samarkand zurückgekehrt, begann Timur soforteifrig zu dem bevorstehenden grossen Kriege im Westen gegen B aj azi dund dessen Verbündete, die Sultane von Aegypten und Bagdad, zurüsten. Nahm er nun an, dass dieser Krieg lange währen möchte, oderhatte er die Absicht, nach Besiegung Bajazid's nach Aegypten zu zie-hen und dann nach Europa überzusetzen, genug, er bestimmte siebenJahre für diesen Krieg (wie einst Dschingis-Khan für die Eroberungvon Europa 18 Jabre bestimmt hatte).

Die Vorbereitungen dazu und die Thätigkeit Timur's waren aus-serordentlich. Noch war kein Jahr vergangen, so verwüstete er schonGrusien und dessen Festungen, drang in die Gebirgsschluchten des Lan-des ein und machte schonungslos die Christen in Massen nieder oder be-kehrte sie mit Gewalt zum Islam, raubte und sog das Land aus. Währenddessen hörte er nicht auf, seine Streitkräfte zu vermehren, sodass er imJahre 1402 schon, wie man annimmt, 800000 Mann stark war. Und daseine Truppen eine ziemlich bedeutende Besoldung erhielten, so kannman mit Wahrscheinlichkeit schliessen, dass sein Feldzug in Indien ihmdazu die Mittel geliefert hatte, ja dass er vielleicht nur ein Mittel gewe-sen war, um den grossen Krieg im Westen führen zu können, welcherden Zweck hatte, dort ausgedehnte Eroberungen zu machen (nach demgewöhnlichen Gedanken der grossen Eroberer »die ganze Welt zu er-obern«) . Wenn man alle seine Kriege von Anfang an verfolgt, so kannman kaum umhin, zu dem Schluss zu gelangen, dass der eine das Mittelzum anderen war, oder wie Julius Caesar es ausdrückte: »dass derKrieg den Krieg ernährte«.

Bis zum Jahre 1402 eilte jedoch Timur gar nicht, einen entschei-denden Krieg gegen Bajazid zu beginnen, sondern er suchte ihn nurauszuforschen, zu erkennen und zu verstehen, schickte häufig Gesandt-schaften an ihn, und wollte, da er sich als Beschützer des Islam auf-spielte, nicht der offenbare Anstifter eines Krieges gegen einen ebensol-chen Beschützer des Islam und Feind der Christen erscheinen. Als aberder Schriftwechsel zwischen ihnen immer hochfahrender wurde, da rückteTimur, entweder um Baj azid zu schrecken, oder um ihn zu zwingen,ihm zuerst den Krieg zu erklären, im Jahre 1400 in die von Jenem er-oberten Länder und nahm im August desselben Jahres in diesen mitSturm zwei mächtige Festungen Sebast (Sewastija, Siwas) und Malatia(Melatieh), welche in den fruchtbaren Gegenden Klein-Asiens liegen undwelche Bajazid als ihm gehörig betrachtete. Die Festungen konntenTimur zur Grundlage für weitere Operationen in Klein-Asien dienen.