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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriege und Feldzüge Timur-Leng s oder Tamerlan's (13951405). 813

gefahrvollen Lage. Da er in den genannten Pass eindringen wollte, sobefahl er denselben anzugreifen. Die Gehern wollten sich augenschein-lich in demselben nachdrücklich zur Wehre setzen: aber das Geheul derKrieger Timur' s , der Lärm der Hörner. Trommeln und Pauken setztensie so in Angst, dass sie ihre ganze Habe den Mongolen zur Beute las-send die Flucht ergriffen. TJeberhaupt waren die Bewohner Indiensdurch Timur's Truppen und deren grausame Kriegführung so inSchrecken gesetzt, dass sie fast nirgends grossen Widerstand wagten.

Der hier angeführte Fall, einer aus vielen ähnlichen, kann als einerder Beweise angesehen werden dafür, dass der Beweggrund sowohl zuder kühnen Tapferkeit Timur's wie überhaupt zu seinem ganzen Feld-zuge Habgier war, die Sucht sich in diesem Lande zu bereichern, welchesvon Alters her für eine »Goldgrube« galt. Ausserdem zeugen die schreck-lichen blutigen Niedermetzelungen ganzer Massen von indischen Götzen-Anbetern und Gebern ebenso von dem Timur und den Mongoleneigenen Blutdurst, wie von dem echt-muhamedanischen Fanatismusderselben bei Vertilgung aller Nicht-Muhamedaner. Und er wie seinHeer hatten bei dem Feldzug in Indien sich reichlich sättigen können inBlut und besonders in Beute, welche so gross war, dass Timur'sSchaaren, diese Beute hinter sich herführend, kaum von der Stellekamen und nur höchstens 20 Werst täglich zurücklegten. Dabei befahlTimur, als er erfuhr, dass einige verdienstvolle und einflussreichePersonen des Heeres bei der Vertheilung der Beute sich mehr davonangeeignet hatten, als die anderen, dass sie an Alle gleichmässig ver-theilt werden solle.

Dann gab er Befehl zum Rückmarsch aus Indien in Folge von beiihm eingegangenen Nachrichten über einen Einfall des türkischen Sul-tans Bajazid I. in seine Grenz-Gebiete in West-Asien, und über einenAufstand in Grusien. Einen Theil der Truppen auf Labore dirigirend,mit den übrigen, wie gesagt, längs der Süd-Abhänge des Himalaya-Gebirges marschirend, ging er am 8. Februar über den Dshumna, trafam 15. März bei der Stadt Tschamba ein und zog am 20. März nachUeberschreitung des Dshenab-Flusses längs der Grenze von Kaschmir.Während des Ueberganges über den Dshenab erhielt er aus Tauris dieMeldung von dem Stande der Dinge in Bagdad. Aegypten, Syrien, Ana-tolien und der Goldenen Horde. Vermuthlich lauteten diese Berichtebeunruhigend, denn Timur befahl sogleich den Truppen-Befehlshabernin der Richtung auf den Indus und weiter zu marschiren. er selbst eiltezurück nach Samarkand.