812 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.
das gesanmite Heer Mahmud's vollkommen warf und in die Fluchttrieb; er verfolgte es bis an die Mauern vor Delhi und recognoscirtediese genau, in der Absicht, sein Heer zum Sturm dagegen zu führen.In der folgenden Nacht aber entfloh Mahmud aus der Stadt, — und am4. Januar ergab sich die weite, stark bevölkerte und sehr reiche StadtDelhi ohne Kampf und wurde geplündert.
Nachdem sie erobert, fand Timur nirgends mehr in Indien ernst-lichen "Widerstand, und sein weiterer Marsch zum Ganges sowie derRückmarsch längs des Süd-Abhanges des Himalaya-Gebirges ist wenigerdurch Schlachten und Siege, als durch Plünderung, Verwüstung undNiedermetzelungen bemerkenswerth.
Am 18. Januar brach Timur aus Delhi auf, ging einige Tage-märsche am Dshumna hinab, um die Gebern zu vertilgen und ihr Landzu verwüsten und auszusaugen, dann überschritt er diesen Fluss undgab Alles der Verheerung mit Feuer und Schwert oder, nach seinemAusdrucke »dem Sturmwind der Vernichtung« preis. Am 26. Januar,nachdem er einem seiner Emire aufgetragen die Wagen längs desFlusses Karasu zu führen und den linken Flügel am Dshumna hinaufdirigirt hatte, zog Timur mit seinen übrigen Truppen zum Ganges.Ein Theil derselben durchschwamm diesen Strom, den anderen Theilführte er gleichzeitig auf dem rechten Ufer stromauf und gelangte SO' zuder Stadt Toklonur (Lage unbekannt). Als er hier erfuhr, dass die Ge-bern auf 48 Schiffen den Ganges hinabführen, befahl er sie anzugreifen,— seine Reiter warfen sich zu Pferde in den Strom, griffen die Gebernin ihren Schiffen an und nahmen diese im Kampfe weg, nach ohnmäch-tigem Widerstände der Gebern. Dieser Kampf der Reiterei auf denPferden in dem grossen und reissenden Strome gegen einen Feind aufSchiffen steht beispiellos in der Kriegs-Geschichte da.
Bei all seiner Ueberlegung und Vorsicht in Entwürfen und Hand-lungen verfuhr Timur dennoch bisweilen, wie Alexander derGrosse, mit der Kühnheit eines einfachen Kriegers. So hatte er einstin Erfahrung gebracht, dass auf dem anderen Ufer des Ganges sich10000 Mann indischen Fussvolks und Reiterei sammelten; er stürztesich mit nur 1000 Mann seiner eigenen Schutzwache (zu welchen dannnoch andere 500 Mann hinzukamen) in den Ganges, schwamm hindurch,griff den 10000 Mann starken Feind an und schlug ihn in die Flucht.Gegen Ende dieses Kampfes waren nur noch etwa 100 Mann um ihn, dieAnderen hatte er beauftragt die grosse und reiche Beute einzusammelnund zu bewachen. Die 100 Mann bei Timur mussten gegen zahlreicheGebern in einem Passe, der den Namen »Taufbecken des Ganges«führte, auf den östlichen (linken) Ufer des Ganges kämpfen. Zum Glückfür Timur eilten seine Hauptkräfte herbei und befreiten ihn aus seiner