810 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Luni wendete sich Timur nach Dshechannemai, wo er am 25. Dezem-ber eintraf, und berief einen Kriegsrath, um über die Art wie Delhi zubelagern sei, Beschluss zu fassen. Man kam dahin überein, nach An-häufung einer grossen Menge von Getreide- und andern Vorräthen Delhieinzuschliessen. Während dessen recognoscirte Timur die Umgegendvon Dshechannemai, um eine zum Kampf geeignete Stelle ausfindig zumachen und den Feind dahin zu locken.
Zu dieser Zeit war es dass Timur, welcher fürchtete, dass die über100000 indischen Gefangenen männlichen Geschlechts, zum Theil Götzen-anbeter, zum Theil Gebern, welche seit dem Uebergange über den Induseingebracht waren und sich bei den Fahrzeugen im Kücken des Heeresbefanden, während seiner Operationen gegen den Sultan von Delhi sichempören möchten, den Befehl gab, sie alle umzubringen; zur Bewa-chung aber der gefangenen Weiber und Kinder und der Wagen be-stimmte er von jeder Dessjatka einen Mann (im Ganzen etwa 9000 Mann).Man ersieht aus diesem Verfahren, zu welchen furchtbaren Mitteln zuschreiten Timur sich nicht scheute, um seine Zwecke zu erreichen,und welch colossaler Tross von Wagen, Beute und Gefangenen seinemHeere nachzog.
Am 30. Dezember brach Timur von Luni nach Osten auf, beriefdie Truppen-Befehlshaber zu sich, gab ihnen Instructionen und Rath-schläge, wie speziell zur Ueberwältigung des Feindes zu verfahren sei.Darnach wendete er sich zurück nach Delhi, ging, nachdem er dort am1. Januar 1399 eingetroffen über den Dshumna-Fluss und bezog amUfer desselben ein Lager. Vielleicht wollte Timur den Sultan Mah-mud von Delhi verlocken, aus dieser Stadt auszurücken, und ihn ineinen Kampf im offenen Felde verwickeln, oder auch nur die östlicheUmgegend von Delhi verheeren und aus derselben Vorräthe von Le-bensmitteln zusammenbringen.
Die Truppen Timur's trafen, als sie das Lager von Delhi auf-schlugen, nach ihrer Gewohnheit Vorsichtsmaassregeln gegen plötzlicheUeberfälle. Sie umgaben das Lager mit einem Graben, den sie mitPfählen umzäunten, zwischen welchen Flechtwerk angebracht wurde,hinter diese stellten sie Büffel, welchen die Füsse gefesselt und die aneinander gebunden waren (wahrscheinlich nur während der Nacht), hin-ter diesen wieder standen die grossen Schilde, und dann endlich dieZelte selbst.
Am 2. Januar rückte Mahmud mit 10000 Mann wohlbewaffneterReiterei, 40000 Mann ebenso gut ausgerüsteten Fussvolks und einerMenge Elephanten aus Delhi aus. Letztere waren mit dicken Deckenbehangen, zum Schutze gegen Pfeile, Pike und Säbel; an ihren Stoss-zähnen befanden sich grosse in Gift getauchte Messer, und auf ihren