Kriege und Feldzüge Timur-Leng's oder Tamerlan's (1359—1405). 809
11. November in seinem Lager am Fluss Bia in der allertraurigsten Ver-fassung an. die Einen zu Fuss, die Andern auf Stieren. Timur Hess,um sie wieder zu retabliren, ihnen 30000 Pferde geben, und dann setztenalle Truppen drei Tage lang über den Fluss Bia, theils auf Schiffen,theils schwimmend. Von hier marschirte Timur am linken Ufer desBia hinauf, sowohl um sich dem linken Flügel zu nähern, als um dieBewohner der Stadt Dipalpur zu züchtigen, welche anfänglich eine Tönden Belagerungs-Truppen vor Multan entsendete Garnison von 1000 Mon-golen aufgenommen, dann aber, als sie von dem kläglichen Zustandedes Belagerungs-Corps hörten, sie sammt und sonders niedergemachthatten.
Die Besetzung von Dipalpur am Fluss Bia und auf dem geradenWege von Kandahar nach Delhi, folglich auch mit dem Uebergange überden Bia, durch eine starke Garnison kann zum Beweise dienen, dassTimur diesen Weg hatte einschlagen wollen. Das Missgeschick aber,welches den rechten Flügel betroffen hatte, bestimmte ihn nach Südenabzubiegen. Bei seiner Annäherung an Dipalpur schlössen die Einwoh-ner sich in der starken, in einer Steppe gelegenen Festung Bhatnir ein.Am 21. November machte sich Timur mit 1000 Mann auf, diese Festungzu belagern, indem er dem ganzen Heere befahl, mit den Fahrzeugendirekt auf Delhi zu marschiren. Am 26. November nahm er Bhatnir ein,gewann grosse Beute daselbst, kehrte dann am 30. zurück nach denStädten Seresti (Serrach) und Fatjabad, und vereinigte sich am 8. De-zember bei Samineh*) mit dem Heere; hier verweilte er einige Tage,das Eintreffen der Fahrzeuge und Bagage abwartend. Am 12. Dezemberstiess auch der linke Flügel zum Heere, nachdem er aus Kabul nachLabore marschirt war und unterwegs eine Menge von Völkerschaften undStädten unterworfen hatte.
Nachdem die Fahrzeuge beisammen waren, brach das Heer von Sa-mineh in drei Colonnen nach Delhi auf: Centrum der Fahrzeuge auf dergrossen Strasse nach Delhi, die beiden Flügel auf Seitenstrassen. Diemittlere Colonne traf am 21. Dezember in Panipati ein. Der rechte Flügelwar am 24. Dezember gegen das Schloss Dshechannemai am Dshumna-Flusse unweit von Delhi dirigirt worden und vereinigte sich nach Weg-nahme dieses Schlosses wieder mit den Hauptkräften. Am 26. Dezemberging das ganze Heer über den Dshumna-Fluss**) und zog zu der StadtLuni, deren Einnahme für dasselbe von besonderer Wichtigkeit war, weilsich in der Umgegend treffliche Weiden befanden. Nach Einnahme von
*j In Kieperts Atliis heissen diese drei Städte: Sira, Fatihpur, und Samana.
Anm. d. Uebers.**) Nach Kiepert, Djamna. Anm. d. Uebers.