808 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Truppen und sollte durch die Besetzung von Multan, einer der damalsmächtigsten Städte Indiens, einen Stützpunkt für die weiteren Operatio-nen in Indien gewinnen.
Timur selbst brach im März 1398 aus Samarkand auf, ging beiTermed auf einer Schiffbrücke Über den Amu-Darja, zog nach Chulum,Asnik. über die Balchanskischen Berge (wahrscheinlich ein Zweig desHindukusch) und auf Inderab. Von hier aus unternahm er mit 10000 Manneine besondere Expedition auf Kafyrystan. Den Gebirgszug des Hin-dukusch auf Pardyss (Pardai) und Kawuk umgehend, Hess er hier amFusse des G-ebirges die Pferde unter genügender Bedeckung zurück, nurden Truppenbefehlshabern allein erlaubend sie mit sich zu nehmen, undwendete sich zu der beschwerlichsten Stelle des Hindukusck-Gebirges,um die Bewohner des Landes unvermuthet zu überfallen. Da zu dieserJahreszeit (Juni) der Schnee im Gebirge bei Tage von der Sommerwärmeso locker wurde, dass die Pferde einsanken, so blieb er bis zum Abendauf der Stelle halten, befahl den Pferden Woilachs unterzulegen, underhob sich dann Abends, wenn der Schnee fester geworden war; so er-reichte er den Kamm des Gebirges. Von da stiegen die Truppen dieAbhänge hinab so gut es Jeder vermochte, an Stricken oder rutschend,ihn selbst Hessen sie in einem kleinen Nachen an Seilen hinunter. Nach-dem auf diese "Weise dieser merkwürdige Uebergang über den hohenGebirgskamm des Hindukusch vollbracht und auch ein Fluss (wahrschein-lich der Kamech) überschritten war, fiel Timur wirklich ganz unver-muthet über die Bewohner von Kafyrystan her und machte den grösstenTheil derselben nieder. Nach Beendigung dieser Expedition kehrte erauf einem anderen bequemeren Wege nach Kawuk zurück, von wo erweiter nach Kabul ging. Von hier brach er am 20. September auf, gingam 11. Oktober über den Indus, wahrscheinlich nahe bei der heutigenFestung Dera-Ismail-Khan, zog zum Dschenab-Fluss und überschrittdiesen auf einer Brücke. Am 23. Oktober zog er nach der Stadt Tulumb,wo er am 28. October eintraf. Dieser Marsch in südlicher Bichtung hatteden Zweck, ihn mit dem rechten Flügel zu vereinigen, der zur Einnahmevon Multan entsendet war. Die Belagerung dieser grossen befestigtenStadt dauerte sechs Monate und endigte damit, dass die Bewohner durchHunger zur Uebergabe gezwungen wurden, aber auch die Belagerer hat-ten nicht weniger gelitten, als die Belagerten. Kegengüsse, Ueber-schwemmungen des Tschinab (Dschenab), Feuchtigkeit, dadurch ver-dorbene Gräser, wechselndes Klima, anderes Futter und Wasser brach-ten bei den mongolischen Steppen-Pferden Epidemien hervor, an denensie fast alle fielen, so dass die Truppen der rechten Colonne nach Ein-nahme von Multan sich selbst in dieser Stadt einschlössen. Beim Heran-nahen Timur's rückten sie zurVereinigung mit ihm aus und langten am