Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
805
Einzelbild herunterladen
 

Kriege und Feldzüge Timur-Leng's oder Tarnerlan's (13591405;. §05

Heil noch in der Flucht. Kurz, die Niederlage Tochtamysch's-und der Sieg Timur's war vollständig und total: die gewaltigen Heer-haufen des Ersteren waren aufs Haupt geschlagen und wurden in derSchlacht und bei der Verfolgung zum grössten Theil aufgerieben. Be-merkenswerth ist die Verfolgung 'gleich vom Kampfplatze aus : Timurbestimmte dazu je sieben Mann von der Dessjatka (im Ganzen alsowenigstens 140000 Mann), welche das geschlagene Heer so nachdrück-lich und schnell bis zur Wolga verfolgten, dass die Truppen Toch-tamysch's, ihr Hauptbanner nirgends sehend und nicht wissend, wosie sich sammeln sollten, sich zum Theil zerstreuten, zum grössten Theiljedoch, wie gesagt, durch die Waffen umkamen oder in der Wolga er-tranken. Der ganze 200 Werst weite Baum zwischen dem Schlacht-felde und der Wolga war mit den Leichen erschlagener Tataren bedeckt.Mit seinen übrigen Truppen folgte Timur nach zu den blühendenWiesen der Urotschischtsche') Uru-Tjupi, dem gewöhnlichen Sommer-Aufenthalt der Khans der Goldnen Horde (wie man glaubt in der Um-gegend der heutigen Stadt Stawropol, nahe dem sogenannten Zarewa-Kurgan, '"') einer Wolga-Insel,vielleicht aber auch nahe der StadtBolgara, die heute in Buinen liegt). Hier brachte Timur, nachdem er diereichste, schier unermessliche Beute, an Gegenständen, Pferden, Bindvieh,Schaafen, Kameelen, Gefangenen u. s. w. an sich genommen, 26 Tagemit Schmausereien und freigebigster Bewirthung und Belohnung seinerTruppen zu, unter welche er einen grossen Theil der Beute vertheilte.Nach der Plünderung der Goldenen Horde und gänzlicher Zer-sprengung und Vernichtung der feindlichen Truppen, befahl Timurseinen Schaaren, den Kückweg in ihr Land anzutreten, wahrscheinlichauf dem kürzesten Wege, d. h. auf der Karawanen-Nogaien-Strasse vomUral (Orenburg) nach Buchara. Nach Ueberschreitung des Ural gingTimur voraus durch die Stadt Ostrar und traf nach neunmonatlichemFeldzuge in Samarkand ein. Sein Heer, durch die ungeheure Beutebehindert, folgte ihm nur langsam und bezog im Dezember Winter-Quartiere von der Sand-Wüste Barssuki bis Taschkend.

§.231.Feldzüge von 139298.

Schon im Jahre 1392 unternahm der unermüdlich thätige Timureinen neuen Feldzug zur Befestigung seiner Herrschaft in Persien und

?) Urotschischtsche heisst eigentlich «natürliche Grenze«, hier sind wohl Step-pen-Grenzen genieint, welche die unfruchtbare Steppe vom Culturland scheiden.

Anrn. d. Uebers.**) Kurgan heisst Grabhügel. Anm. d. Uebers.

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. 52