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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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806 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

zur Erweiterung seiner Eroberungen in West-Asien. In diesem sechs Jahre(von 139298) währenden Feldzuge durchzog sein 300000 Mann starkesHeer ganz ungeheure Entfernungen nach allen Richtungen West-Asiensvon Samarkand bis Astrabad, Hamadan und Schiras, und von da nachIspakan, Bagdad, Armenien und Grusien. Aus Grusien ging er überDerbent gegen Tochtamysch, der ein neues Heer aufgestellt hatte,und besiegte ihn, wie mau glaubt bei dem heutigen Temir-Khan-Schura.im Jahre 1395 abermals. In dieser Schlacht stand bei Timur in derersten Linie das Fussvolk, von dem er zu dem Gebirgs-Kriege in Grusienmehr als gewöhnlich bei sich hatte, denn Schereff-Eddin thut des-selben besonders Erwähnung. Ausserdem umgab Tirnur in dieserSchlacht, wie in anderen in Grusien, sein Lager mit Wagen und kämpftehinter denselben heraus. DasAllesist ein neuer Beweis, wie dieser grosseHeerführer es verstand, die Zusammensetzung seiner Truppen und dieArt seiner Operationen und Kämpfe geschickt zu verändern je nach derVerschiedenartigkeit des Terrains auf dem Kriegsschauplatz, der Zu-sammensetzung und Kampfart des feindlichen Heeres und den sonstigenUmständen.

Den geschlagenen Tochtamysch verfolgte Timur schnell undenergisch bis zur unteren Wolga, stellte einige Uebergänge etwas weiterstromauf nach dem rechten Ufer her, wahrscheinlich da, wo sie sich demDon nähert (zwischen dem heutigen Zaritzin und Kalatsch), wendetesich nach dem Don und drang im Sommer desselben Jahres 1395 in dierussischen Grenzen bis Jelez vor, nahm diese Stadt ein, den Fürsten ge-fangen, verheerte die Umgegend und blieb daselbst stehen, um diePferde weiden zu lassen. Dann trat er, zur allgemeinen Freude vouOst-Russland und besonders Moskau, wo schon grosse Angst vor seinemEinfall geherrscht hatte, plötzlich den Rückweg an (am 26. August,nach unseren Chronisten an demselben Tage und zur selben Stunde, woman in Moskau das wunderthätige Bild der Wladimirschen MutterGottes einholte, welches absichtlich bei dieser Gelegenheit vonWladimir nach Moskau gebracht wurde; zum Gedächtniss dieses Ereig-nisses wurde an der Stelle, wo das Bild in Empfang genommen worden(Srjätenie) das Srjätenski Kloster erbaut).

Von Jelez zog Timur nach Asow und dann nach Astrachan,plünderte beide Städte aus, noch furchtbarer aber verwüstete undschwächte er die Goldene Horde im Winter 139596, als die Tatarenzu ihren Winter-Zügen zu den Niederungen des Don und der Wolgahinabgezogen waren. Unerwartet und schnell fiel er über ihre Nomaden-Länder her, vernichtete einen grossen Theil der Ulusse und trieb ihreHeerden fort, den Haupt-Reichthum und die Haupt-Macht der No-maden-Völker. Und indem er auf diese Weise die Goldne Horde voll-