800 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege ete.
Leute sich lediglich mit gehacktem Fleische, vermischt mit Mehl. Grä-sern und Hirse-Stengeln begnügen sollten, wobei die Mehl-Lieferungso eingeschränkt wurde, dass 25 Pfund für 60 Tage oder 2 Monate be-stimmt waren. Ausserdem befahl er, dass Jedermann im Heere beischwerer Verantwortung alle Vorräthe an Esswaaren aus seinem Besitzeausliefern und gleichmässig an Alle im Heere vertheilen solle; auchmussten essbare Kräuter und Wurzeln, Vogeleier gesucht, auf Wildpretund Gethier aller Art gejagt werden (wie es auch unter Dshingis-Khan geschah, nach dessen Gesetzen es verboten war, von März bisOktober auf Wild und Thiere zu jagen, damit im Fall der Noth bei Win-terszeit das Heer sich durch die Jagd Nahrung schaffen konnte).
Von Apakaragui wendete sich das Heer Timur's von Norden nachWesten und hielt sich etwas südlich des heutigen Orsk, wahrscheinlichlängs der ehemaligen Orenburger Linie. Von Taschkent bis zu der Biegungdes Ischim-Flusses nach Norden oder bis Apakaragui kann man etwa1150 Werst rechnen'); somit konnte Timur, von Taschkent nach dem20. Januar aufbrechend und dem Heere am Westhange des Ulu-Tau Ruhegebend, hier nach dem 20. April, und bei Apakaragui in den ersten Ta-gen des Mai (nach Charmoy am 6. Mai) eingetroffen sein. Den Ural-fiuss musste er unterhalb der späteren llinsker Festung überschreiten,um die Guberlinsker Berge zu vermeiden; die Stelle des Uebergangesüber den Uralfluss konnte er also Ende Mai erreichen (nach Charmoyam 29. Mai). Um diese Zeit tritt das Wasser des Ural gewöhnlich in dieUfer.
Bis zum Tobol hin hatte Timur keinerlei Nachricht vom Feindeund keine Spur von demselben entdeckt. Dies beweist, dass er durch dievon ihm eingeschlagene Richtung seinen Marsch vor Tochtamysch zuverheimlichen vermocht und die erste grössere Hälfte desselben unterdem Scheine eines gewöhnlichen Steppen-Zuges vollführt hatte. Wahr-scheinlich hatte er auch deshalb nicht gefürchtet, sein Heer zur Jagd zuverwenden, welche zwei Tage, vielleicht auch noch länger gedauert hatte.Nach der Jagd hielt er zwei Tage Musterung über das Heer, deren Be-schreibung bei Schere f f-E ddin sehr interessant ist. Es geht aus der-selben hervor, dass nach der Bewaffnung verschiedene Truppenartenvorhanden waren: die Einen waren mit Pike, Dolch und Lederschildenbewaffnet; Andere mit Streitkolbe, Säbel, Schwert u. s. w.; die Pferde(wahrscheinlich der schweren Reiterei) waren mit Tigerfellen, Brust-schilden u. s. w. bedeckt; die Truppen waren nach Tjuminjen (lOOOOen)und lOOOen eingetheilt. Als Timur herankam, wurde er mit dem Rufe»sunvn« (hurrah) empfangen, der Führer jeder Truppenabtheilung stieg
1 Werst ungefähr = 1 Kilometer. Anm. d. Uebers.